Editorial

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TATuP Bd. 27 Nr. 2 (2018), S. 3, http://dx.doi.org/10.14512/tatup.27.2.3

Mobilität, Nachhaltigkeit, Partizipation, Foresight: viele der Themen, die in der aktuellen TATuP behandelt werden, hat die Technikfolgenabschätzung (TA) nicht zum ersten Mal auf der Agenda. Obwohl die TA immer versucht, am Puls der Zeit zu sein und neue Themen einzufangen und zu bewerten, gibt es doch so etwas wie Dauerbrennerthemen in der TA: Während in der Nachhaltigkeitsdebatte seit dem Brundtlandbericht nun schon 30 Jahre vergangen sind, wird über partizipative Verfahren in Politik und später Forschung seit Anfang der 1990er-Jahre geschrieben. Ähnliches gilt für die Entwicklung und Verbreitung von Foresight als vielversprechendes Analyse- und Bewertungstool. Letztlich ist Mobilität spätestens seit dem Einzug der Eisenbahn Mitte des 18. Jahrhunderts in den USA ein Paradethema für die Technikentwicklung und -bewertung.

Was ist alt und was ist neu? Und was ist neu an alten Themen und alt an neuen Themen? Dieses Verhältnis immer wieder auszutarieren, auf historische Bezüge und bereits Gedachtes bei den immer wieder auftretenden Hypethemen (aktuell etwa Digitalisierung) hinzuweisen, gleichzeitig aber offen zu bleiben für die neuen Qualitäten technischer Entwicklungen und ihren oftmals komplexen Folgen, die auf vielfältigen Ebenen Veränderungen hervorrufen können: Dies mag eine der zentralen Herausforderungen der TA-Forschung und TA-Praxis sein.

Das aktuelle TATuP-Thema führt dies gleich in dreifacher Hinsicht vor Augen. Es fragt nach Nachhaltigkeit, nach Mobilität und natürlich nach neuen technischen Entwicklungen, die dieses Gefüge in besonderer Weise herausfordern. Hierbei lassen sich die Herausforderungen für die TA durch die jüngsten Fortschritte der Automatisierung gerade im Bereich der Mobilität nicht klein reden. Letztlich geht es um Fragen nach Effizienz, Kontrolle, Vertrauen, Interaktion zwischen Mensch und Technik, aber auch um den Ersatz des Menschen und seiner Fähigkeiten in mehr und mehr technisierten Umgebungen und seine mögliche Überführung in eine reine Nutzerrolle. Ist dies im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung? Wenn ja, in welcher spezifischen Weise? Wenn nein, wie kann es anders gestaltet werden?

Die Neukonstituierung von Dauerbrennerthemen und ihrer Herausforderungen lässt sich also sehr gut in der aktuellen Ausgabe der TATuP nachvollziehen und wird auch in kommenden Ausgaben weiterzuverfolgen sein.

Linda Nierling

Linda Nierling

Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Karlsruhe

linda.nierling@kit.edu