Geistiges Eigentum und Copyright im multimedialen Zeitalter - Positionen, Probleme, Perspektiven (Tagungsbericht)

TA-relevante Bücher und Tagungsberichte

"Geistiges Eigentum und Copyright im multimedialen Zeitalter - Positionen, Probleme, Perspektiven. Eine fachübergreifende Bestandsaufnahme

Unter diesem Titel wurden die Beiträge eines gleichlautenden Fachgesprächs in dem Band Nr. 13 der Grauen Reihe zusammengefaßt, der auf Anfrage kostenlos bei der Europäischen Akademie GmbH bezogen werden kann.

Zum Thema "Geistiges Eigentum und Copyright im multimedialem Zeitalter - Positionen, Probleme, Perspektiven." fand am 12. März 1998 in Bonn ein Fachgespräch der Europäischen Akademie statt, an dem rund 30 Fachleute aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft teilnahmen. Nach einer thematischen Einführung von Dr. Christian J. Langenbach (Europäische Akademie) wurde unter der Moderation von Dr. Armin Grunwald (Europäische Akademie) und Dr. Otto Ulrich (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Bonn) in den Referaten der (inter-)nationale Diskussionsstand aus verschiedenen Blickwinkeln erfaßt und zwar hinsichtlich erreichter Positionen und offener (Forschungs-)Fragen ("Probleme"). Die sehr lebhaft geführten Diskussionen hatten vorrangig die Suche nach vorhandenen oder möglichen Lösungsrichtungen ("Perspektiven") der dargestellten Themen zum Gegenstand. Zum Abschluß des Fachgespräches unternahm Professor Dr. Gerhard Banse (Brandenburgische Technische Universität Cottbus / Europäische Akademie) den Versuch einer themenorientierten "Bündelung" des dargelegten Wissens aus der Sicht der Technikfolgenbeurteilung.

Vorträge hielten: Dr. Christoph Busch (Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung, Darmstadt), Dr. August Katern (BMG Entertainment New Technologies, Gütersloh), Dr. Silke von Lewinski (Max-Plank-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht, München), Professor Dr. Ferdinand Melichar (Verwertungsgesellschaft Wort, München) sowie Professor Dr. Helmut Reimer (TeleTrust Deutschland e.V., Erfurt).

Alles, was in diesen Fachgesprächsbeiträgen geäußert wird, könnte für künftige (inter-) nationale Maßnahmen substanziell werden. Die in diesem Graue Reihe Band versammelten Ideen sind in einen noch zu erstellenden Rahmen möglicher Handlungsoptionen einzubringen.

Hintergrund

In der sich herausbildenden Informationsgesellschaft werden zunehmend über Netze auch multimediafähige Produkte (Bild-, Ton- und Wort-Werke) vertrieben. Gespeicherte Daten können blitzschnell von einem Ort der Welt an einen anderen transferiert werden, und es gibt kaum eine Schranke, die daran hindert, derartige Werke herunterzuladen, zu kopieren, durch Bearbeitung zu verändern, weiterzugeben oder zu zerstören. Damit sind Fragen des Urheber- und Leistungsschutzes von entscheidender Bedeutung in der sich digitalisierenden Welt.

Jeder kreativ Schaffende ist sicherlich an einer möglichst globalen Verbreitung und Verwertung seiner Werke interessiert, wofür die digitale Technik neue Möglichkeiten eröffnet. Anderseits fühlen sich zahlreiche Urheber durch die Multimedia-Techniken "überrumpelt" und durch die geltenden rechtlichen Regelungen nicht mehr ausreichend gegen digitale Eingriffe in ihre Werke geschützt. Damit kann verbunden sein, daß sie den gegenwärtigen informationstechnischen Umwälzungen kritisch oder gar ablehnend gegenüberstehen.

"Klangvolles aus dem Netz", so überschreibt die Süddeutsche Zeitung im Januar 1998 ein kurzes Firmeninfo zum Thema Musikvertrieb via Internet. Das ist nur eine Meldung, die zeigt, daß einige Branchen das "Netz" für sich entdeckt haben und konsequent als eine Marktplattform für multimediale Produkte nutzen. Auf diese Weise könnte das Internet, das sich neben den etablierten Medien wie Druckerzeugnissen und Tonträger sowie Radio und Fernsehen herausgebildet hat, zu einer "Goldgrube" werden. Hinzu kommt, daß die "Allgemeinheit" ein Interesse an der Nutzung und Verwertung der im Netz verfügbaren Daten besitzt. Die Gefahr absichtlicher oder unabsichtlicher Verletzungen gültiger Rechtsnormen liegt nahe.

Ziel

Die Chancen, aber auch die Gefahren der globalen digitalisierten Welt betreffen Individuen (z.B. Autoren), Institutionen (z.B. Verlage, Medienanstalten) und Staaten (z.B. hinsichtlich "Schutz" der Grundrechte der Staatsbürger, "Erhaltung" des nationalen Prestiges). Die Weiterentwicklung zur Informationsgesellschaft erfordert einen sicheren und flexiblen Rahmen, um Innovationen und kreatives Schaffen zu fördern. Die verschiedenen Interessengruppen stellen diesbezüglich unterschiedliche Anforderungen an Politik, Recht, Wissenschaft und Technik.

Politik und Recht sind gefordert, die bestehenden Urheber- und Leistungsschutzrechte an die Erfordernisse einer digitalen Werknutzung anzupassen, d.h. vor allem Unterschiede in der einzelstaatlichen Gesetzgebung zu harmonisieren und bestehende Rechtsunsicherheiten zu beseitigen. Dabei ist davon auszugehen, daß Rechteinhaber wie Rechtenutzer von den neuen Technologien gleichermaßen "profitieren" können und so der Anreiz geweckt wird, die Möglichkeiten der Informationsgesellschaft umfassend zu nutzen. Dem wird durch unterschiedliche Bemühungen um neue oder geänderte Regelungen Rechnung getragen; genannt seien lediglich die Enquete Kommission des Deutschen Bundestages "Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft" sowie das Grünbuch der Kommission der Europäischen Gemeinschaften "Urheberrecht und verwandte Schutzrechte in der Informationsgesellschaft".

Der Erfolg der Informationsgesellschaft hängt neben dem rechtlichen Schutz und der individuellen Verantwortung gleichermaßen auch davon ab, wie es gelingt, mit technischen Vorkehrungen die Rechte der Urheber zu wahren und "digitaler Piraterie" Einhalt zu gebieten. Erforderlich sind technisch umsetzbare Maßnahmen zur Kontrolle des Zugriffs und der Verwendung von schützenswertem digitalisiertem geistigen Eigentum sowie des Urheberrechtsnachweises. Besondere Aufmerksamkeit ist dabei spezifischen IT-Sicherheitslösungen entgegenzubringen.

Vor der Entscheidung über die Implementation neuer technischer Lösungen oder rechtlicher Regelungen sollte das Wissen über deren mögliche zukünftige (individuelle, soziale, ökonomische u.a.) Folgen umfassend und verläßlich bereitgestellt werden, um in politische Entscheidungen Eingang finden zu können. Eine Möglichkeit dafür ist der Prozeß der Technikfolgenbeurteilung, dem folgende Aufgaben zukommen:

Die in dem Fachgesprächsband "Geistiges Eigentum und Copyright im multimedialen Zeitalter - Positionen, Probleme, Perspektiven. Eine fachübergreifende Bestandsaufnahme" zusammengefaßten Beiträge geben eine fundierte Darstellung aus verschiedenen Blickwinkeln zum (inter-)nationalen Diskussionsstand, und zwar hinsichtlich erreichter Positionen, offener (Forschungs-)Fragen und vorhandener Lösungsrichtungen in der Diskussion. Die hervorgebrachten Ansätze für Handlungsempfehlungen sind weitere um Aufklärung bemühte "Steine" in dem mosaikartigen und wohl nur interdisziplinär zu lösenden Prozeß der Sicherung des Urheberrechtsschutzes.

Ausblick

Verlauf und Ergebnisse dieses Fachgesprächs legten nahe, den Prozeß der Technikfolgenbeurteilung im Bereich "Geistiges Eigentum und Informationstechnik" durch weitere interdisziplinäre Veranstaltungen dieser Art zu begleiten. Daher erging am Ende der gelungenen Veranstaltung an die Teilnehmer der Vorschlag, ein weiteres Fachgespräch in dem Themenbereich zu überdenken. Dieser Vorschlag wurde von der Rechtsabteilung der IG Medien aufgegriffen und mittlerweile konnte das 2. Fachgespräch "Copyright" durchgeführt werden.

Dieses zweite Fachgespräch fand am 25. Februar 1999 im DGB Haus in Frankfurt a.M. in Kooperation zwischen dem Hauptvorstand der IG Medien und der Europäischen Akademie GmbH statt. Sein Schwerpunkt war die Thematik Urhebervertragsrecht "On-Line" im Bereich der Belletristik, der Kunst und des Journalismus. Die Beiträge dieses Fachgesprächs sollen, wie bereits beim ersten, in einem Band der Grauen Reihe erscheinen. Ein ausführlicher Tagungsbericht folgt.

Kontakt

Dr.-Ing. Christian J. Langenbach
Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen
Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH
Landskroner Str. 175, Postfach 14 60, D-53459 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel.: +49 2641 754311
E-mail: christian.langenbach∂dlr.de
Internet: http://www.europaeische-akademie-AW.de