Das Science Café als Dialog- und Beteiligungsformat

Schwerpunkt: Schlüsselideen, Akteure und Formate der Technikkommunikation

Das Science Café als Dialog- und Beteiligungsformat

von Rüdiger Goldschmidt, Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS), Universität Stuttgart

Das Science Café lässt sich grundsätzlich als verständigungs- und prozessorientiertes Kommunikationsverfahren bezeichnen. Form und Ausgestaltung von konkreten Veranstaltungen des Science Cafés können in der Praxis unterschiedlich sein. Ziel jeder Veranstaltung ist die Förderung des Austausches zwischen der Bevölkerung bzw. bestimmten Zielgruppen wie Jugendlichen mit Wissenschaftlern (daher die Bezeichnung „Science“ Café). Die Vorstellung, dass z. B. teilnehmende Bürgerinnen und Bürger in der Veranstaltung wie in einem Kaffeehaus sitzen und mit Experten sprechen, gibt durchaus den richtigen Eindruck von der lockeren, angenehmen und kreativen Veranstaltungsatmosphäre eines gelungenen Science Cafés wieder. Über den interaktiven Austausch sollen wissenschaftliche Themen an die Nicht-Wissenschaftler vermittelt werden. Der Austausch lohnt sich für beide Seiten, wenn er den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus erlaubt. So finden es viele Wissenschaftler zunächst ungewohnt und manchmal herausfordernd, aber gleichzeitig spannend und gewinnbringend, ihr Forschungsthema vor Nicht-Angehörigen ihrer Disziplin darzustellen und Gedanken darüber auszutauschen. Die Gesprächszeit von zwei bis drei Stunden reicht aus, die zentralen Entwicklungslinien der wissenschaftlichen Disziplin oder des Themas zu skizzieren und dazu zentrale Reaktionen und Argumente des Publikums zu erfahren. Gerade diese Rückmeldungen sind für Wissenschaftler interessant, insbesondere wenn neue wissenschaftliche Forschungsfelder vorgestellt werden, bei denen noch unklar ist, wie Nicht-Wissenschaftler sich positionieren. Ein Erfolgsfaktor ist, das Gespräch für alle sachlichen Meinungen offen zu halten. Mit der Bildung und Erfahrung eines an wissenschaftlichen Themen interessierten Publikums stellen auch Laien „die richtigen Fragen“ und bringen relevante Perspektiven ein, was schon die zentrale Grundlage für ein spannendes Gespräch liefert.

Zum sog. Junior Science Café liegen schon detaillierte Forschungsergebnisse vor (Goldschmidt et al. 2012). Zudem existieren Leitfäden zur praktischen Umsetzung (Wissenschaft im Dialog 2011). Schülerinnen und Schüler bereiten hier meist eine Reihe von Café-Veranstaltungen vor und führen dann die Veranstaltungen selbst durch. Anfangs noch aktiv durch z. B. Lehrer betreut, übernehmen die Schülerinnen und Schüler zunehmend die Verantwortung. Dies schafft zusätzliche Lernerfolge und wertvolle Erfahrungen („soft skills“).

Fallstricke sind, dass ein Science Café wissenschaftlich interessierte Personen und weniger die „normale Bevölkerung“ anzieht und teilweise trotzdem noch einiges an Engagement erforderlich ist, Teilnehmende zu gewinnen. Neben organisatorischen Voraussetzungen wie der Sicherung eines Veranstaltungsortes, sind die Moderation und die Vorbereitung der Experten (Rolle als offener Gesprächspartner, zielgruppengerechte Sprache) wichtige Faktoren.