"Standort und Wettbewerbsfähigkeit"

Schwerpunktthema

"Standort und Wettbewerbsfähigkeit"

von Reinhard Coenen, ITAS

Das Schwerpunktthema dieser Ausgabe beschäftigt sich mit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Trotz hohem Exportwachstum wird in Deutschland eine Dauerdiskussion über die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und die angeblich ungünstigen Standortbedingungen geführt und auf Veränderungen auf der Angebotsseite gedrängt.
Vor dem Hintergrund dreier faktenreicher neuer Berichte aus Deutschland, den USA und der OECD werden in diesem Schwerpunktthema ausgewählte Parameter der Wettbewerbsfähigkeit diskutiert.

Will man den Analysen verschiedener international tätiger Unternehmensberatungsfirmen Glauben schenken, so findet sich Deutschland in punkto Wettbewerbsfähigkeit im Mittelfeld oder unter ferner liefen wieder. So veröffentlichte kürzlich das Weltwirtschaftsforum eine Liste der 30 konkurrenzfähigsten Länder im Jahre 1997, in der Deutschland auf Platz 25 rangiert, kurz vor Ägypten und deutlich z.B. hinter Chile (zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 9. Juni 1997).

Die Crux solcher vornehmlich von Unternehmensberatungsgesellschaften veröffentlichten Ranglisten der Wettbewerbsfähigkeit ist es, daß die Positionierung einzelner Länder in diesen Ranglisten kaum nachvollziebar ist. Es werden sehr unterschiedliche Kriterien für Wettbewerbsfähigkeit herangezogen, davon sind sehr viele kaum expliziert und wie die Einordnung verschiedener Länder nach diesen Kriterien erfolgt, ist kaum nachvollziehbar. Das gleiche gilt für die Aggregierung der Einzelbewertungen bzw. für die Frage, mit welchen Gewichten einzelne Kriterien bzw. Faktoren bei der Aggregation zu einem Gesamtindex der Wettbewerbsfähigkeit berücksichtigt werden. Zudem handelt es sich bei mehr qualitativen Kriterien um stark subjektive Einschätzungen der diese Ranglisten erstellenden Einrichtungen oder der zu diesem Zweck befragten Wirtschaftsvertreter.

Trotzdem finden solche Ranglisten einen relativ hohen Widerhall in der Presse, nicht zuletzt wegen der teilweise neurotischen politischen Diskussion der Standortproblematik in Deutschland. Diese führt auch dazu, daß ökonomische Entwicklungen teilweise völlig einseitig in der öffentlichen Diskussion gewertet werden; die Zunahme deutscher Direktinvestitionen im Ausland wird als Produktionsverlagerung wegen schlechter Standortbedingungen in Deutschland interpretiert. Wenn deutsche multinationale Unternehmen verstärkt auch im Ausland Forschung und Entwicklung betreiben, so wird das ebenfalls negativ bewertet. Das Wachstum der aufstrebenden Volkswirtschaften in Südostasien oder auch die ökonomische Belebung in Ländern Mittelost- und Zentraleuropas wird in erster Linie als Bedrohung gesehen und nicht auch als Chance für die deutsche Volkswirtschaft, um nur einige Beispiele zu nennen.

Deshalb erscheint es notwendig, nüchtern die statistischen Fakten zu betrachten. Eine Fundgrube hierzu bieten drei jüngere Veröffentlichungen:

Der erste vom BMBF herausgegebene Bericht beschäftigt sich insbesondere mit der internationalen Position der deutschen Industrie in F&E-intensiven Bereichen und äußert sich hierzu verhalten positiv.

Der zweite Bericht beschäftigt sich mit der Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit der US-amerikanischen Industrie im Vergleich zu anderen Industrienationen und Weltregionen im Zeitraum 1985 bis 1995 und bescheinigt der USA signifikante Erfolge bei der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit in der letzten Dekade, obwohl weiter Schwächen bestünden.

Der OECD-Bericht versteht sich als erster Versuch, einen internationalen Vergleich in bezug auf verschiedene Wettbewerbsfähigkeitsindikatoren in einer Veröffentlichung zu bieten und Informationen hierzu zusammenzuführen, die bisher in verschiedenen Berichten und Publikationen, insbesondere auch der OECD, verstreut sind. Die Veröffentlichung ist im wesentlichen eine umfangreiche Faktensammlung und verzichtet auf eine Wertung der Daten bzw. beschränkt sich auf eine Präsentation von vergleichbaren Informationen bezüglich verschiedener Indikatoren, zwar nicht für alle, aber für die wichtigsten OECD-Länder. Im Vorwort heißt es deshalb "The figures thus speak for themselves, enabling the reader to use the information provided for his/her own analysis". Zu folgenden Wettbewerbsparametern werden vergleichende Informationen präsentiert:

Die drei Berichte sollen hier nicht im einzelnen vorgestellt werden - den Lesern sind sie als Fundgrube zu empfehlen -, sondern vor dem Hintergrund der Berichte ausgewählte Aspekte der Wettbewerbsfähigkeit diskutiert werden.

Trends der Globalisierung und des Außenhandels

Die Wirtschaft befindet sich in einem sich beschleunigenden Prozeß der Globalisierung. Dies wird insbesondere deutlich an der Entwicklung der globalen ausländischen Direktinvestitionen und des Außenhandels. Wie Abbildung 1 zeigt, sind sowohl die ausländischen Direktinvestitionen als auch der Außenhandel im Zeitraum 1985 bis 1995 stärker gestiegen als das globale Bruttoinlandsprodukt.

Abbildung 1: Wachstum der globalen ausländischen Direktinvestitionen, der Exporte und des globalen Bruttoinlandsprodukts 1985 - 1995 (1985=100, basierend auf jeweiligen US$)
(derzeit nur in der gedruckten Version der TA-Datenbank-Nachrichten vorhanden)

Der enorme Anstieg der Auslandsdirektinvestitionen ist nicht zuletzt auf die Expansion multinationaler Unternehmen zurückzuführen, die bestrebt sind, in allen regionalen Märkten der Welt durch eigene Produktionsstätten vertreten zu sein. Die hohen deutschen Direktinvestitionen im Ausland stellen somit keine Besonderheit dar und sind nicht als Resultat ungünstiger inländischer Standortbedingungen zu interpretieren.

Auch der Außenhandel ist deutlich stärker gestiegen als das globale Bruttoinlandsprodukt. Die Exportquote stieg von rund 7 % 1950 über 13 % im Jahre 1973 auf derzeit 22,5 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (R. Jochimsen, SZ v. 28./29. Juni 1997) und wird nach dem Bericht des US Council on Competitiveness bis zum Jahre 2000 auf ca. 27 % anwachsen, d.h. ein immer größer werdender Teil der globalen Produktion wird auf dem Weltmarkt gehandelt. Ein neuerer Trend ist, daß die ausländischen Direktinvestitionen zunehmend in Entwicklungs- und Schwellenländer fließen, während die Flüsse von Direktinvestitionen zwischen den hochindustrialisierten Ländern in der ersten Hälfte der 90er Jahre zurückgegangen sind, aber auf einem hohen Niveau verharren. Gleichzeitig und teilweise bedingt durch die hohen Kapitalzuflüsse läßt sich feststellen, daß im Zeitraum von 1985 bis 1995 die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts in den Entwicklungsländern mit etwa jährlich 5 % deutlich über denen der entwickelten Länder lagen (Durchschnitt 2 % bis 3 %), wobei dieses jedoch im wesentlichen auf die hohen Wachstumsraten in den südostasiatischen Entwicklungs- und Schwellenländern zurückzuführen ist; die Entwicklungsländer in Lateinamerika und des Mittleren Ostens und Afrikas liegen im Durchschnitt auf dem Niveau der Wachstumsraten der Industrieländer.

Für den Weltaußenhandel werden die Entwicklungsländer immer bedeutsamer; das betrifft sowohl deren Importe als auch deren Exporte, wie die Abbildungen 2 und 3 zeigen. Die durchschnittlichen realen Wachstumsraten der Entwicklungsländer in bezug auf Importe und Exporte lagen in der Dekade 1985 - 1995 deutlich über den globalen Wachstumsraten von Exporten und Importen, während die entsprechenden Wachstumsraten der Industrieländer unter dem globalen Durchschnitt lagen. Damit wird deutlich, daß die Industrieländer im Außenhandel zunehmend stärkerer Konkurrenz der Entwicklungsländer ausgesetzt sind, wobei die Entwicklungsländer auch in die Domänen der Industrieländer, den Außenhandel mit höher- und hochwertigen technologischen Produkten eindringen. Entsprechender Konkurrenzdruck wird in Zukunft auch von den ehemaligen Ostblockländern ausgehen, die in der Untersuchung des US Council on Competitiveness nicht betrachtet werden. Gleichzeitig bietet aber auch die zunehmende wirtschaftliche Prosperität in Teilen der Entwicklungsländer und der ehemaligen Ostblockländer den Industrieländern wie Deutschland neue Exportchancen; diese Entwicklungstendenzen im Weltaußenhandel sollten also nicht nur als Bedrohung interpretiert, sondern als Chancen genutzt werden.

Abbildungen 2 und 3

Wachstum der Güterexporte nach Regionen 1985 - 1995

Wachstum der Güterimporte nach Regionen 1985 - 1995
(derzeit nur in der gedruckten Version der TA-Datenbank-Nachrichten vorhanden)

Betrachtet man die Entwicklung des Außenhandels der Industrieländer, so fällt auf, daß die Exporte der USA im Zeitraum 1985 - 1995 ein deutlich höheres Wachstum als jene Westeuropas und Japans aufweisen (siehe Abb. 2). Dabei ist jedoch anzumerken, daß die USA von einem relativ niedrigen Exportniveau in diesem Zeitraum gestartet sind; 1985 beliefen sich deren Exporte von Gütern und Dienstleistungen auf gerade 1 % des Bruttoinlandsprodukts, während diese Rate in den westeuropäischen Ländern und Japan zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich höher lag. Auch gegenwärtig (1994) liegen die Exportquoten der meisten westeuropäischen Länder gemessen am Bruttoinlandsprodukt (EU-Durchschnitt 27,9 %) deutlich über denen der USA (10,6 %) und Japan (9,5 %) (Quelle: Statistisches Bundesamt 1996). Deutschland mit einem Anteil der Exporte an der Verwendung des Bruttoinlandsprodukts von 22,7 % liegt durch die deutlich höhere Exportquote im absoluten Volumen der Exporte trotz deutlich geringeren BIP's und deutlich geringerer Bevölkerungszahl in der Größenordnung der Exportvolumina der USA und Japans und weltweit an 2. Stelle (1995 Export an Gütern USA 584,3 Mrd. US$, Deutschland 508,6 Mrd. US$ und Japan 443 Mrd. US$ / Quelle: OECD, 1997). Auf diese drei Länder entfielen 1993 fast 50 % des gesamten Weltaußenhandels (USA 16,1 %, Deutschland 15,2 %, Japan 14,9 % gemäß BMBF, Bundesbericht Forschung 1996). Es gibt auch keine Anzeichen, daß sich die Exportstärke Deutschlands abgeschwächt hat, der gegenwärtig bescheidene wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands wird im wesentlichen durch den Außenhandel getragen.

Deutschlands Stärken und Schwächen im Export im Vergleich zu Hauptkonkurrenten

Mit den Stärken und Schwächen des deutschen Außenhandels beschäftigt sich im einzelnen die vom BMBF herausgegebene Fortschreibung zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands; sie konzentriert sich dabei auf forschungs- und entwicklungsintensiven Sektoren der Industrieproduktion. Die deutsche Exportstärke liegt nach dieser Untersuchung ganz eindeutig bei FuE-intensiven Produkten, so liegt in Deutschland die Exportquote des FuE-intensiven Sektors im Schnitt bei 42 %, während sie in anderen Produktionsbereichen bei 18 % liegt. Ein ähnliches, aber nicht so ausgeprägtes Bild ergibt sich bei den Importen; hier liegt die Importquote für FuE-intensive Güter bei 32 %, jene für andere Güter bei 21 %. Generell läßt sich feststellen, daß insbesondere im Bereich der FuE-intensiven Güter die Globalisierung am stärksten ist, d.h. der Außenhandel ist besonders intensiv auf den Märkten für anspruchsvolle Technologien.

Deutschland ist im Bereich des FuE-intensiven Sektors nach dem Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands vor allem auf den Bereich höherwertiger Technik spezialisiert und erreicht hier sogar gegenüber den USA und Japan überdurchschnittlich gute Marktergebnisse, während Deutschland bei Spitzentechnologien im Vergleich zu diesen Ländern weniger stark ist - allerdings, wie es im Bericht heißt, mit einer signifikanten Verbesserung der Bilanzen.

Abgrenzung höherwertiger Technologien und Spitzentechnologien

Zu den Spitzentechnologien werden gezählt: die Luft- und Raumfahrttechnik, Nukleartechnik, Kraftwerkstechnik, Pharmazeutische Technik, bestimmte Bereiche der Chemie, Biotechnologie, EDV, Telekommunikation, Bereiche der Elektrotechnik wie Halbleiter, Opto-, Regel- und Meßtechnik, während die höherwertige Technik weite Teile der chemischen Industrie, der elektrotechnischen Industrie, des Maschinenbaus, des Fahrzeugbaus (Auto- und Schienenfahrzeuge), elektronische Güter für Haushalte (TV, Video etc.), Foto- und Filmgeräte und sonstige Bereiche höherwertiger Technik umfaßt; die Zuordnung zu den Bereichen Spitzentechnik und höherwertige Technik erfolgt nach der ISI-Liste FuE-intensiver Güter und SITC III und basiert auf einer Differenzierung nach dem FuE-Anteil am Umsatz, d.h. nach der FuE-Intensität der jeweiligen Güter bzw. Branchen.

Dieses Spezialisierungsmuster der deutschen Industrie läßt sich durch die sog. Revealed Comparative Advantage (RCA)-Werte zeigen, die die Ausfuhr/Einfuhr-Relation bei einer bestimmten Produktgruppe zur Ausfuhr/Einfuhr-Relation bei den gesamten verarbeitenden Industriewaren in Beziehung setzt. Positive RCA-Werte beinhalten eine starke internationale Wettbewerbsposition, negative Werte eine eher schwache. Tabelle 1 zeigt die RCA-Werte für FuE-intensive Waren insgesamt, für Spitzentechnologien und für den Bereich der höherwertigen Technik und macht das Spezialisierungsmuster der deutschen Industrie deutlich, mit einer besonderen Stärke in höherwertiger Technik und einer relativen Schwäche bei Spitzentechnologien.

Tabelle 1: Spezialisierungsmuster Deutschlands bei FuE-intensiven Waren 1991 - 1995, RCA-Werte
(wird noch erstellt)

Deutschland hat aber auch in bestimmten Bereichen der Spitzentechnologie positive RCA-Werte, die zum Teil deutlich über den RCA-Werten für FuE-intensive Waren insgesamt liegen, so z.B. in Bereichen der chemischen Industrie, die der höherwertigen Technik zugeordnet werden, im Bereich der Kraftwerkstechnik und im Bereich fortgeschrittener Opto-, Meß- und Regeltechnik. Zudem zeigt sich bei einigen Spitzentechnologien eine positive Tendenz bei den RCA-Werten, so in der Telekommunikation und in der Luft- und Raumfahrt.

Wie bei den Exporten insgesamt liegen Japan, USA und Deutschland auch bei den Exporten von FuE-intensiven Waren auf den ersten drei Plätzen, allerdings nahm hier 1994 Japan mit einem Welthandelsanteil von 20,5 % vor den USA mit 20 % und Deutschland mit 16,5 % den Spitzenplatz ein. Dies erklärt sich daraus, daß Japan sowohl bei höherwertigen Technologien wie auch bei Spitzentechnologien ausgeprägte Spezialisierungsvorteile hat, während Deutschland solche vor allem im Bereich der höherwertigen Technologien hat und die USA im Bereich der Spitzentechnologie, wobei die USA im Bereich höherwertiger Techniken, insbesondere bei Automobilen und Unterhaltungselektronik eine relativ ungünstige Bilanz aufweisen.

Die führende Rolle Japans, der USA und Deutschlands, aber auch anderer europäischer Anbieter von FuE-intensiven Waren, die sich in der Vergangenheit insbesondere auch durch hohe Exportüberschüsse in diesem Bereich zeigte, wird aber zunehmend durch die aufholenden Schwellenländer angegriffen, die sich in einigen Bereichen FuE-intensiver Technik bereits zu ernsthaften Konkurrenten entwickelt haben, z.B. in Bereichen wie Büromaschinen, Unterhaltungselektronik, Nachrichtentechnik etc.. Dabei handelt es sich bisher noch um zumeist technisch weniger anspruchsvolle Güter in diesen Produktionssegmenten als bei den Industrieländern. Dies könnte sich aber ändern, da diese nicht nur in der Produktion nachziehen, sondern auch bei den FuE-Aktivitäten erhebliche Aufholanstrengungen unternehmen und deshalb zukünftig verstärkt auch Produkte auf ähnlich hohem technischem Niveau anbieten werden wie die klassischen Industrieländer. Die noch deutlich geringeren Arbeitskosten in diesen Ländern bringen ihnen in dieser Hinsicht dann noch zusätzliche Wettbewerbsvorteile.

Forschung und Entwicklung als Wettbewerbsfaktor

Kapazitäten in Forschung und Entwicklung sind ein zentraler Bestimmungsfaktor der technologischen Leistungsfähigkeit von Volkswirtschaften, so heißt es im Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands. Deutschland befindet sich zwar mit seinen FuE-Ausgaben in % des Bruttoinlandsprodukts in der Spitzengruppe, hat aber etwas an Boden verloren, die Forschungsintensität ist seit 1987 rückläufig. Es läßt sich beobachten, daß in den Ländern, die bereits in den 70er und 80er Jahren hohe Forschungsintensitäten gemessen am Bruttoinlandsprodukt hatten, die Forschungsausgaben in % des BIP zu Beginn der 90er Jahre rückläufig sind. Dies gilt insbesondere für die USA und Deutschland, während Länder wie Schweden, Finnland und Dänemark ihre Forschungsintensitäten deutlich gesteigert haben; Japan hat seine Forschungsintensität dagegen auf hohem Niveau stabilisiert (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: FuE-Ausgaben in % des Bruttoinlandsprodukts 1990 und 1993 für ausgewählte Länder
(wird noch erstellt)

Wie die Tabelle auch zeigt, sind aber einige nicht-OECD-Länder wie Israel, Südkorea und Taiwan in die Spitzengruppe vorgedrungen und liegen über dem Gesamtdurchschnittswert der OECD-Länder von 1,68 % des BIP.

Der relative Rückgang der FuE-Intensität in den USA und Deutschland und die Stagnation in den meisten anderen OECD-Ländern (abgesehen von den skandinavischen Ländern) dürfte zum Teil darauf zurückzuführen sein, daß im Zuge der Tertiarisierung auch die Bedeutung des FuE-intensiven Produktionssektors abnimmt.

In Deutschland ist die FuE-Intensität 1994 noch weiter zurückgegangen auf 2,37 %, es deutet sich aber eine Stabilisierung an, was insbesondere die industrielle FuE-Förderung betrifft, während angesichts der Probleme der öffentlichen Haushalte in der staatlich geförderten Forschung und Entwicklung weitere Rückgänge zu erwarten sind.

Im Vergleich zu anderen Ländern überwiegt in Deutschland die industrielle FuE-Förderung die staatliche. 60 % werden durch die Industrie finanziert, noch höher liegt der Anteil der industriefinanzierten FuE mit 73,4 % in Japan, während in den USA, Frankreich und Großbritannien die hohe staatliche Förderung von Spitzentechnologien wie militärische Forschung und Raumfahrtforschung zu etwa gleich hohen Anteilen industrie- und öffentlich finanzierter Forschung führt.

Das Spezialisierungsmuster Deutschlands im FuE-intensiven Sektor auf höherwertige Technik spiegelt sich auch in den FuE-Ausgaben der deutschen Industrie und bei den Patentierungsaktivitäten wider. Deutschland ist traditionell stark in den Branchen Fahrzeugtechnik, Maschinenbau und Chemie, in denen Deutschland wie bei den RCA-Werten auch bei den relativen Patentierungsaktivitäten (RCA-Werte) (Anzahl der Patentierungsaktivitäten in einem bestimmten Bereich in Relation zu den Patenten insgesamt) hohe positive Werte aufweist. In einigen ihrer Domänen hat die deutsche Industrie auch trotz gegenläufiger Tendenz der FuE-Intensität insgesamt ihre spezifische FuE-Intensität erhöht (Automobile, Pharmazeutik).

Kritisch wird jedoch im Bericht zur technologischen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesehen, daß Deutschland vergleichsweise geringe Erfindertätigkeiten (gemessen an den Patentierungsaktivitäten) in Schlüsseltechnologiebereichen wie in der Mikroelektronik, Multimediatechnik und Biotechnologie aufweist. Dies könnte zukünftig die hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in den Domänen der höherwertigen Technik beeinträchtigen, da diese Schlüsseltechnologien Ausstrahleffekte wegen ihrer Breitenwirkung auf den technischen Fortschritt in den Bereichen höherwertiger Technik haben oder Substitutionspotentiale, wie z.B. die Biotechnologie in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Der Bericht charakterisiert die deutsche Situation wie folgt: "Deutschlands Unternehmen sind auf zukunftsträchtigen Gebieten vertreten, sie haben sich nicht aus ihnen abgemeldet, sie haben den Fuß in der richtigen Tür" - aber sie erreichen nicht das Niveau z.B. der USA oder Japans.

Globalisierung von Forschung und Entwicklung

Direktinvestitionen im Ausland sind oft auch mit einem Aufbau oder häufiger mit einer Übernahme bestehender Forschungskapazitäten im Ausland verbunden. Insbesondere die in Deutschland beheimateten multinationalen Unternehmen haben im Rahmen ihrer Internationalisierungsstrategien beachtliche Forschungskapazitäten im Ausland aufgebaut bzw. aufgekauft. In diesem Zusammenhang wird vielfach von einer Abwanderung der Forschung gesprochen und dies als Beleg für Schwächen des Forschungsstandortes Deutschland herangezogen (DIW, 1997). Insbesondere wenn dies neue Technologien betrifft, wie die Bio- und Gentechnologie, wird hierin eine Bedrohung für die langfristige technologische Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesehen. Es gibt aber kaum Anzeichen dafür, daß dies zu Lasten inländischer FuE-Aktivitäten geht; die Internationalisierung der Forschung folgt vielmehr der Internationalisierung der Produktion, d.h. es handelt sich dabei nicht um allein auf FuE-bezogene Standortentscheidungen, wie im Bericht zur technologischen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands festgestellt wird. Teilweise versuchen allerdings auch deutsche Unternehmen durch Direktinvestitionen im Ausland ihre Forschungsbasis zu verbreitern bzw. Lücken zu schließen, wie z.B. in der gentechnologischen Forschung die chemische und pharmazeutische Industrie.

Nach Angaben der deutschen Muttergesellschaften beliefen sich die FuE-Aufwendungen ihrer ausländischen Tochterunternehmen 1995 auf 8,8 Mrd. DM; das entspricht ca. 15 % der inländischen FuE-Aufwendungen der gesamten Wirtschaft. Besonders stark ist die Internationalisierung von FuE in der chemischen Industrie fortgeschritten; auf sie entfielen mit 4,5 Mrd. DM mehr als die Hälfte des FuE-Aufwandes aller deutschen Unternehmen im Ausland (DIW, 1997). Die FuE-Aktivitäten im Ausland konzentrieren sich auf die USA und Westeuropa, zunehmend forschen deutsche Unternehmen z.B. der elektrotechnischen Industrie aber auch in Süd-Ost-Asien.

Deutschland ist aber auch traditionell ein attraktiver Forschungsstandort für ausländische multinationale Unternehmen. Die Größenordnung des FuE-Aufwandes ausländischer Unternehmen in Deutschland lag mit ca. 8 Mrd. DM in der gleichen Größenordnung wie der deutscher multinationaler Unternehmen im Ausland, allerdings stagnieren die Aufwendungen ausländischer Unternehmen in Deutschland ähnlich wie die industrielle FuE-Förderung generell. Da zu erwarten ist, daß deutsche Unternehmen weiterhin ihre Produktionskapazitäten im Ausland erhöhen, werden sich auch die FuE-Aktivitäten deutscher Unternehmen im Ausland weiter erhöhen. Inwieweit sich auch die FuE-Aktivitäten ausländischer Unternehmen in Deutschland erhöhen, dürfte von den ausländischen Direktinvestitionen abhängen, die gegenwärtig auf einem geringen Niveau liegen. Der weitere Ausbau und Erwerb von FuE-Kapazitäten deutscher Unternehmen im Ausland ist aber kein Beleg für eine Verschlechterung der Forschungsbedingungen am Forschungsstandort Deutschland (DIW, 1997), vielmehr dürfte auch die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Muttergesellschaften bzw. ihrer deutschen Produktionsstätten davon profitieren.

Ausbildung und Qualifikation als Wettbewerbsfähigkeitsfaktor

Die wachsende Wissensintensivierung der Wirtschaft, insbesondere der exportorientierten FuE-intensiven Produktionssektoren, macht die Ausbildung und Qualifikation der Arbeitskräfte zu einem entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit. Eine hohe Qualifikation der Ausbildung ist Voraussetzung sowohl für die Erzeugung neuen Wissens und neuer Technologien als auch für die Adaption neuen Wissens in der Produktion. Zugleich bietet eine höherwertige Qualifikation den Menschen auch eine gewisse Garantie vor Arbeitslosigkeit. In fast allen Ländern läßt sich eine Korrelation zwischen Qualifikation und Beschäftigungschancen feststellen; je geringer die Qualifikation, desto höher ist das Risiko von Arbeitslosigkeit. Diese Risiken dürften sich noch im Rahmen der Tertiarisierung verschärfen, da viele der neuen Dienstleistungsbereiche wissensintensiv sind.

Nach der Studie zur technologischen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist die Humankapitalausstattung Deutschlands durch einen hohen Ausbildungsstand der Bevölkerung und die Intensität und Qualität in verschiedenen Ausbildungsstufen sehr gut. Diese Einschätzung wird auch weitgehend im Ausland geteilt.

Bei den öffentlichen und privaten Ausgaben für die Erstausbildung auf den verschiedenen Ausbildungsstufen zeichnet sich Deutschland aber nicht durch eine Spitzenposition aus; sie erreicht mit 5,9 % des Bruttoinlandsprodukts gerade den OECD-Durchschnitt, insbesondere die skandinavischen Länder und die USA erreichen hier höhere Werte.

Deutschlands Stärke liegt dabei, wie in der Studie zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands ausgeführt wird, in einer eher breiten Ausbildung mit hohen Standards. Dies kommt dadurch zum Ausdruck, daß Deutschland bei den Ausgaben für den sog. Sekundärbereich (weiterführende Schulen und Ausbildungsgänge) in der Spitzengruppe liegt, nicht zuletzt wegen der hohen Investitionen der Wirtschaft in die duale Berufsausbildung.

So ist Deutschland auch bei den sog. Attainment-levels im Bereich der Sekundärausbildung hinter den USA führend. 1992 verfügten in Deutschland 81,9 % der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahre über eine abgeschlossene Ausbildung im Sekundärbereich (USA 84 %) (siehe Tabelle 3) und liegt damit deutlich vor Japan, Großbritannien und Frankreich, während im Bereich der tertiären Ausbildung, der Hochschulausbildung, die USA deutlich führend ist. In gewisser Hinsicht korrespondiert dies mit der deutschen technologischen Spezialisierung auf höherwertige Technik. Deutschland ist führend in der höherwertigen Ausbildung und nicht in der Spitzenausbildung. Kritisch zu betrachten ist nach dem Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands, daß sich gegenwärtig immer weniger Studienanfänger für die Natur- und Ingenieurswissenschaften entscheiden, so daß hier möglicherweise Engpässe bei Schlüsselqualifikationen für den technischen Innovationsprozeß zu befürchten sind.

Tabelle 3: Anteil der 25 - 64jährigen Bevölkerung mit abgeschlossener Ausbildung im Sekundär- und Tertiärbereich
(wird noch erstellt)

Die sog. Attainment-levels sagen natürlich nicht unmittelbar etwas über die Qualität der Abschlüsse aus. Obwohl die USA in dieser Hinsicht auch die Spitzenposition im Sekundärbereich aufweist, sieht der US Council on Competitiveness in der niedrigen Qualität der Ausbildung im Sekundärbereich eine der großen Schwächen bzw. Klippen für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der US-amerikanischen Industrie.

Arbeitskosten als Wettbewerbsfaktor

Die hohen deutschen Arbeitskosten werden in Deutschland als die größte Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit angesehen, insbesondere durch die zunehmende Konkurrenz von Niedriglohnländern.

Nach dem Bericht der OECD liegt Deutschland auf Basis der Werte für das ehemalige Bundesgebiet 1995 bei den Kosten für die Arbeitsstunde (Hourly compensation costs for production workers in manufacturing) relativ deutlich an der Spitze aller OECD-Länder. Diese Größe umfaßt die Zahlungen für die geleistete Arbeitszeit an die Beschäftigten, die Lohnnebenkosten für soziale Sicherheit sowie andere Zahlungen und Leistungen der Unternehmen (z.B. bezahlte Urlaubstage, Sonderzahlungen wie Weihnachtsgelder und andere Bonuszahlungen, bezahlte Fortbildung, kostenlose oder bezuschußte Verpflegung etc.).

Für Deutschland bzw. das ehemalige Bundesgebiet werden diese für 1995 durch das US-Department of Labour auf fast 32 US$ geschätzt und liegen damit deutlich höher als der OECD-Durchschnitt von 18,16 US$ (vgl. Abb. 4). In der Zusammensetzung der Arbeitskosten für eine Arbeitsstunde zeigen sich erhebliche Unterschiede. In den USA, Großbritannien, Kanada und Australien zum Beispiel machen die Zahlungen für Sozial- und Arbeitslosenversicherung und andere Pflichtbeiträge sowie für sonstige Leistungen und Zahlungen der Arbeitgeber (bezahlte Urlaubstage etc.) nur einen Anteil von unter 25 % aus, während sie z.B. in Deutschland, Japan, Frankreich, Italien, Österreich, Belgien, Schweden, Niederlande um die 40 % liegen.

Abbildung 4: Arbeitskosten für in der Produktion Beschäftigte im produzierenden Gewerbe pro Stunde in US$ (Hourly compensation costs for production workers in manufacturing) 1995
(derzeit nur in der gedruckten Version der TA-Datenbank-Nachrichten vorhanden)

Die Größe Arbeitskosten pro Stunde berücksichtigt nicht Unterschiede in der Arbeitsproduktivität und kann deshalb mißinterpretiert werden. Aussagekräftiger wären internationale Vergleiche auf Basis der Lohnstückkosten, d.h. der Arbeitskosten pro Outputeinheit.

Abbildung 5: Anteil der Entlohnung des Faktors Arbeit an der Nettowertschöpfung (Unit Labour Shares) 1993
(derzeit nur in er gedruckten Version der TA-Datenbank-Nachrichten vorhanden)

Diese stoßen jedoch auf erhebliche Schwierigkeiten, insbesondere können sie durch Wechselkursschwankungen verzerrt werden. Die OECD verwendet daher für ihren internationalen Vergleich einen weniger komplexen Indikator: den Anteil der Arbeitsentlohnung an der Nettowertschöpfung (jeweils in der Landeswährung und zu den gegenwärtigen Preisen / Unit Labour Shares), ein Indikator, der auch in gewisser Hinsicht die Arbeitsproduktivität berücksichtigt. Bei diesem Indikator liegt Deutschland mit 0,71 zwar auch in der Spitzengruppe, aber die Unterschiede zwischen den OECD-Ländern verwischen sich, der OECD-Durchschnitt liegt bei 0,61 (siehe Abb. 5); sieht man von Mexiko ab, so schwankt dieser Wert zwischen 0,52 für Österreich und 0,75 für Schweden. Grundsätzlich sind alle OECD-Staaten mit dem Problem hoher Arbeitskosten im Vergleich zu den zunehmend leistungsstärker werdenden Länder in Südostasien, Lateinamerika und in Mittel- und Osteuropa konfrontiert. Die gegenwärtige sehr gute Exportkonjunktur Deutschlands zeigt aber, daß die Arbeitskosten eben nur ein Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit unter anderen sind und möglicherweise für FuE-intensive Branchen ein weniger wichtiger als für den Bereich niederwertigerer Technik.

Resümee und Schlußbetrachtung

Deutschland wird, wie auch andere hochentwickelte OECD-Länder, auf der Ebene der Arbeitskosten kurz- und mittelfristig mit den aufstrebenden Länder außerhalb der OECD nicht konkurrieren können, auch wenn es gelingt, die hohen Lohnnebenkosten auf sozialverträgliche Weise zu reduzieren. Hingegen muß Deutschland sich auf seine Stärken konzentrieren und hier das hohe Niveau halten oder sogar verbessern. Dies sind nach der Studie zur technologischen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands 

Deutschlands starke Spezialisierung auf höherwertige Technik im Vergleich zu Spitzentechnologien muß nicht unbedingt ein Nachteil sein, da die Weltmarktvolumina für höherwertige Technik größer als die für Spitzentechnologien sind. Daran dürfte sich auch zukünftig wenig ändern, da die sich wirtschaftlich entwickelnden Länder insbesondere in diesem Bereich Nachfrage entfalten werden.

Für die gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands sind augenscheinlich nicht fehlende internationale Wettbewerbsfähigkeit der Grund - gegenwärtig wachsen die Exporte beträchtlich -, sondern eine schwache Verbrauchsnachfrage und eine geringe Investitionstätigkeit im Inland. Niedrige Investitionen können mittel- und langfristig für die Wettbewerbsfähigkeit höchst schädlich sein, da eine stetige Modernisierung des Kapitalstocks Voraussetzung für die Erhöhung der Produktivität, das Hervorbringen neuer oder verbesserter Produkte und damit auch für die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist.

Vielfach werden die Standortbedingungen im Bereich der umwelt- und arbeitsmarktpolitischen Regulierung als Ursache für die geringe Investitionstätigkeit in- und ausländischer Unternehmen beschworen und deshalb dringend Veränderungen in dieser Hinsicht gefordert. Sicher sind hier gewisse Korrekturen angebracht, sie sollten aber nicht generell zum Absenken von Umwelt- und Sozialstandards führen. Möglicherweise sind nicht die sog. Angebotsbedingungen, sondern die schwache Inlandsnachfrage bzw. der unattraktive Absatzmarkt der wichtigere Grund für das geringe Interesse deutscher und ausländischer Unternehmen, am Standort Deutschland zu investieren. Vor diesem Hintergrund sollte die gegenwärtig starke, fast einseitige Fokussierung auf eine angebotsorientierte Politik zur Verbesserung der Standortbedingungen hinterfragt werden, nicht zuletzt auch, weil sie in ihrem Bemühen um Senkung der Arbeitskosten Mitursache der schwachen Verbrauchsnachfrage ist.

Man muß zwischen der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und eines Landes unterscheiden, wie im Bericht des Council on Competitiveness vermerkt wird. US-amerikanische Unternehmen hätten in der letzten Dekade zwar deutlich durch ihre Internationalisierungsstrategie an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen, aber hat auch die Nation als ganzes gewonnen angesichts stagnierender Löhne und zunehmender Einkommensungleichheiten? In dem Zerbrechen des "Sozialpakts" (social compact) zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, der in der Vergangenheit beiden eine angemessene Beteiligung an Produktivitätsgewinnen und wirtschaftlichen Unternehmenserfolgen gesichert habe, wird im Bericht des Councils eine Gefährdung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der USA gesehen. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in Deutschland ab; viele Unternehmen reüssieren, daran partizipieren die Kapitaleigner, kaum aber das Land und die Arbeitnehmer. Viele äußerst erfolgreiche deutsche Unternehmen planen eine weitere Reduzierung ihres Personals; die hohen Arbeitslosenzahlen belasten die öffentlichen Haushalte und beschränken oder reduzieren die Möglichkeiten des Staates, in Forschung und Entwicklung und in die Förderung der Humankapitalausstattung zu investieren, die Basis für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit; längere Arbeitslosigkeit dequalifiziert die Arbeitskräfte.

Bei der gegenwärtigen angebotsorientierten Ausrichtung der Wirtschaftspolitik zur Verbesserung der Standortbedingungen werden zudem in gewisser Weise Ziele und Mittel verwechselt. Ziel der Wirtschaftspolitik sollte die Verbesserung der gesellschaftlichen Wohlfahrt sein, ökonomisches Wachstum und verbesserte Wettbewerbsfähigkeit sind nur Mittel hierzu, wie im Bericht des Council on Competitiveness angemerkt wird.

Bisher, so scheint es, hat die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik im wesentlichen nur den Unternehmen genutzt und vielleicht noch den Arbeitnehmern, die das Glück haben, ihren Arbeitsplatz behalten zu können. Das Fatale ist, daß der internationale Standortwettbewerb zu einem internationalen Wettbewerb bei der Absenkung von Sozialstandards führt, dem sich kaum ein Land meint, entziehen zu können, auch Deutschland nicht trotz großer Exportstärke und günstiger Standortbedingungen bezüglich Forschung, Entwicklung, Ausbildungs- und Qualifikationsniveau seines Humankapitals.

Literatur

Der Artikel stützt sich im wesentlichen auf die drei folgenden Berichte:

BMBF (Hrsg.): Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands - Aktualisierung und Erweiterung 1990. Bonn: BMBF, 1997.

OECD (ed.): Industrial Competitiveness - Benchmarking Business Environments in the Global Economy. Paris: OECD, 1997.

Council on Competitiveness (ed.): Competitiveness Index 1996 - A Ten-Year Strategic Assessment. Washington, October 1996.

Weitere verwendete Literatur:

BMBF (Hrsg.): Bundesbericht Forschung 1996, Bonn, Mai 1996.

DIW (Hrsg.): Forschung und Entwicklung in multinationalen Unternehmen aus der Sicht der Bundesrepublik; in: DIW-Wochenbericht 26/97.

Jochimsen, Reimut: Am Geld hängt doch alles; in: Süddeutsche Zeitung v. 28/29. Juni 1997.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 1996 für das Ausland. Stuttgart: Metzler-Poeschel, September 1996.