TA-Aktivitäten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim

TA-Institutionen und -Programme

TA-Aktivitäten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim

von Martina Müller-Keitel

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wurde von der baden-württembergischen Landesregierung und der Landeskreditbank gemeinsam mit der Universität Mannheim im November 1990 in der Rechtsform einer GmbH gegründet. Im Mittelpunkt der Forschung stehen Fragen, die sich auf Grund der Herausforderungen im Zuge der zunehmenden Verflechtung der Güter-, Arbeits- und Finanzmärkte in Europa als integralem Bestandteil der wachsenden Internationalisierung der Weltwirtschaft ergeben. Analysiert werden vor allem die Implikationen für die Praxis, etwa für unternehmerisches Handeln, für die Tarifvertragsparteien und für die nationale und regionale Wirtschaftspolitik. Mit praxisnaher Forschung und ergänzenden Serviceangeboten hilft das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) seinen Auftraggebern, auf das sich dauernd ändernde Umfeld rechtzeitig zu reagieren. Interdisziplinäres Arbeiten verhindert dabei eindimensionale Lösungen, umfangreiche interne und externe Datenbanken stützen die in der Regel empirisch angelegte Projektarbeit, weltweite Kooperationen werden zum intensiven Wissensaustausch rege genutzt. Neben der Projektarbeit tragen die ZEW-Wissenschaftler mit eigenen Beiträgen zur methodischen und theoretischen Entwicklung der Wirtschaftsforschung bei. An den Forschungs- und Auftragsprojekten des ZEW arbeiten, je nach Bedarf, Teams in unterschiedlicher Zusammensetzung, darunter: Volkswirte, Betriebswirte, Wirtschaftsingenieure, Naturwissenschaftler, Juristen sowie Politik- und Sozialwissenschaftler. 

Forschungsschwerpunkte

Am ZEW werden Analysen in folgenden fünf Forschungsbereichen durchgeführt: 

Ergänzt wird die Forschungsarbeit des ZEW durch zwei Servicebereiche

Wenngleich das ZEW keine umfangreichen direkten Technikfolgenstudien durchführt, so tangieren doch viele der Untersuchungen, insbesondere in den Forschungsschwerpunkten Umweltökonomik, Industrieökonomik sowie Personalmanagement, relevante Teilfragen der Technikfolgenforschung. Das ZEW ist institutionelles Mitglied der International Technology Assessment and Forecasting Association (IATAFI). 

Forschungsbereich Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement

Wichtige Fragen der Technikfolgenforschung stellen sich besonders bei allen Umweltwirkungen von Wirtschaftsaktivitäten und den im Rahmen der Aktivitäten eingesetzten Technologien. Auch Analysen über Möglichkeiten und Auswirkungen umweltpolitischer Maßnahmen können Hinweise für einen erfolgreichen politischen Umgang mit Technikfolgen liefern.

Ziel des Forschungsbereichs Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement ist es, einen Beitrag zur Analyse und Bewältigung dringender Umwelt- und Ressourcenprobleme zu leisten. Lösungsbeiträge orientieren sich grundsätzlich am Leitbild einer dauerhaft-umweltgerechten Entwicklung und einer Integration ökonomischer und ökologischer Konzepte. Die Forschungsarbeiten sind in sechs Arbeitsschwerpunkte gegliedert: 

Ein Beispiel für ein Forschungsvorhaben mit starkem TA-Bezug ist das Projekt Total Costs and Benefits of Biomass in Selected Regions of the European Union. Ziel des Projektes ist die Analyse der externen Kosten verschiedener energetischer Nutzungen von Biomasse. Die externen Kosten einer energetischen Biomassenutzung hängen entscheidend davon ab, welche Art von Biomasse im Zusammenhang mit welcher Technik eingesetzt wird. Deshalb werden sechs Fallstudien durchgeführt, die sowohl die energetische Nutzung von Rest- und Abfallstoffen als auch von speziellen Energiepflanzen umfassen. Als Techniken werden direkte Verbrennung, Kraft-Wärme-Kopplung, verschiedene Formen der Gasgewinnung sowie die Herstellung flüssiger Brennstoffe betrachtet.

Ein weiteres Beispiel ist das Forschungsvorhaben Beschäftigungswirkungen des Übergangs von additiver auf integrierte Umwelttechnik. Die Studie untersucht die Beschäftigungseffekte des Übergangs von additiver zu integrierter Umwelttechnik. Neben den mengenmäßigen Beschäftigungseffekten wird die Frage untersucht, ob sich die Qualifikationsstruktur der Beschäftigten mit dem Übergang zur integrierten Umwelttechnik ändern wird. Wesentliches methodisches Element des Forschungsvorhabens ist die Koppelung einer Breitenerhebung (Mannheimer Innovationspanel, MIP) mit ausführlichen Fallstudien. Zusätzlich werden Schätzungen der direkten und indirekten Beschäftigungseffekte auf volkswirtschaftlicher Ebene mit Hilfe eines komparativ-statischen Input-Output-Modells durchgeführt. Darüber hinaus werden mit Hilfe eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells die dynamischen Beschäftigungseffekte untersucht, die sich im Inland durch induzierte Veränderungen relativer Preise ergeben. 

Forschungsbereich "Industrieökonomik und internationale Unternehmensführung"

Mittel- und langfristige Auswirkungen der Globalisierung von Produktions-, Investitions-, Innovationstätigkeiten der Unternehmen und die sich daraus ergebenden Anpassungserfordernisse sowohl auf seiten der Unternehmen als auch auf seiten der wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger verlangen eine andauernde, intensive wissenschaftliche Beobachtung, Analyse und Bewertung. Dies schließt Arbeiten zum Themenkreis der Technikfolgenabschätzung mittelbar ein, wenn über die Technikgenese und durchsetzung im Rahmen der Wissensgenerierung, -adaption und -diffusion diskutiert wird.

Der Forschungsbereich "Industrieökonomik und internationale Unternehmensführung" analysiert aktuelle Entwicklungen in der Dynamik von Märkten und Unternehmen, zeigt Perspektiven auf und entwickelt Handlungsoptionen für Entscheidungsträger in der regionalen, nationalen und internationalen Wirtschaftspolitik und für Unternehmen. Die Forschungsperspektiven unterscheiden sich zum einen dadurch, ob Prozesse und Entscheidungen auf der Mikroebene oder ob das Zusammenspiel der Mikroeinheiten auf (regionalen) Märkten und die Koordinationsfunktion der Märkte untersucht werden. Ein zweites Unterscheidungskriterium ergibt sich aus der untersuchten Art der Veränderung von Unternehmen und Märkten. Zum einen stehen die innovations- und technologiebezogenen Prozesse im Mittelpunkt und zum anderen wird eine erweiterte Perspektive der Veränderungsprozesse von Unternehmen und Märkten untersucht. Diese beiden Untersuchungsperspektiven definieren die vier Schwerpunkte des Forschungsbereichs: 

In den letzten Jahren konnten als Basis für die Untersuchungen umfangreiche unternehmensbezogene Datenbanken aufgebaut werden. Diese für Deutschland nahezu einzigartigen Paneldaten zu Unternehmensgründungen und Wachstumsprozessen von Unternehmen wurden sukzessive ergänzt durch Datenbanken zum Innovationsverhalten von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.

Die Erforschung der Wirkungen eines Innovationssystems auf makroökonomische Größen wie Beschäftigung, globale Wettbewerbsfähigkeit und Technikentwicklung stellt sowohl theoretisch als auch methodisch eine große Herausforderung dar. Dies wird derzeit für regionale Innovationssysteme wie z.B. das Saarland und Baden-Württemberg untersucht. Eingerahmt werden diese Überlegungen durch Arbeiten zum sektoralen und wissens- bzw. technologieorientierten Strukturwandel. Regionale und technologische Cluster von Unternehmen in modernen Technologiefeldern sind bereits für den Multi-Media Bereich untersucht worden und sollen auch für andere Technologiefelder empirisch identifiziert werden. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Untersuchungen über Internationalisierungsstrategien junger innovativer Unternehmen, über die Charakteristika von schnell wachsenden Unternehmen und über den Einsatz von IuK- und Fertigungstechnologien sowie die Erschließung von neuen Technikfeldern. Wichtige Fragen sind auch auf die unterschiedlichen Markt- und Technologieentwicklungen und die Veränderung der Marktstrukturen durch eine Veränderung der räumlichen Bezüge gerichtet. Ein Beispiel für diese Fragestellungen ist eine durchgeführte Untersuchung, die für den regionalen Energieversorgungsbereich die Auswirkungen der im europäischen Kontext erwogenen Deregulierungsmodelle auf Marktorganisation und orientierung untersucht. 

Forschungsbereich Arbeitsmärkte, Personalmanagement und soziale Sicherung

Die vielfältigen volks- und betriebswirtschaftlichen Facetten des Einsatzes von Arbeit im technologischen und wirtschaftlichen Wandel werden im Forschungsschwerpunkt Personalmanagement untersucht. Dabei spielt gerade hinsichtlich der Wirkungen und Folgen des Einsatzes neuer Techniken die schulische und noch mehr die berufliche Qualifikation eine zentrale Rolle. Generell ist es eine gut erforschte Tatsache, daß bessere Bildung, niedrigere Arbeitslosigkeit, ein besserer Zugang zur Weiterbildung, beruflich stabilere Lebenswege und höheres Einkommen zusammenhängen. Um die Zusammenhänge zwischen Bildung und technischem Fortschritt intensiver zu erforschen, wurde vor zwei Jahren eine ZEW-interne interdisziplinäre Arbeitsgruppe gebildet. Die Ergebnisse dieser Projektarbeit werden unter der Rubrik "Ergebnisse von TA-Projekten - Neue TA-Projekte" auf Seite 32 ausführlich dargestellt.

Kontakt

Dr. Olav Hohmeyer
(Umweltökonomik, Leiter, Tel. 1235-200, E-mail: hohmeyerEsc5∂zew de)
Dr. Alfred Spielkamp
(Industrieökonomik, Tel. 1235-174, E-mail: spielkampUid3∂zew de)
Dr. Friedhelm Pfeiffer
(Personalmanagement, Tel. 1235-150, E-mail: pfeifferDgh7∂zew de)

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)
L, 7, 1, D-68161 Mannheim
Tel.: +49 621 1235-101