Studienangebot Technikfolgen - Umwelt an der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau, Zentrum Technikfolgen - Umwelt

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Studienangebot Technikfolgen - Umwelt an der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau, Zentrum Technikfolgen - Umwelt

von Renate Patz

Universitätsabsolventen praktisch aller Studiengänge werden heute in ihrer beruflichen Praxis zunehmend mit Anforderungen konfrontiert, die neben fachspezifischem Wissen ganzheitliches und komplexes Denken in den Beziehungsfeldern von Technik, Wirtschaft, Umwelt, Recht, Politik und Gesellschaft verlangen. Hinzu kommt, daß die Forderung unserer Gesellschaft nach Neubesinnung auf die Qualität des technischen Fortschritts Wirkung zeigt. Entwicklung und Einsatz von Technik wird neben deren Wirtschaftlichkeit zunehmend gemessen an ihrer Umwelt- und Sozialverträglichkeit.

Die Industrie ist dabei, diese Forderungen unserer Gesellschaft zu ihrer eigenen langfristigen Zukunftssicherung in ihre Unternehmensziele aufzunehmen. Sie sucht nach neuen umwelt- und sozialverträglichen Produkten und Fertigungsverfahren. Von künftigen Führungskräften in Wirtschaft und Verwaltung erfordert dies interdisziplinäres Verständnis, multikulturelles Denken und Handeln, Kommunikations-, Urteils- und Kritikfähigkeit auch über das eigene Fachgebiet hinaus, um der Mitverantwortung für Folgewirkungen des Handelns auf Gesellschaft und Umwelt gerecht werden zu können. Dieses von der Wirtschaft benötigte interdisziplinäre Wissen, gepaart mit den genannten Fähigkeiten und Haltungen, wird an deutschen Universitäten bisher nur in unzureichendem Maße gelehrt.

Auch in der Vergangenheit wurde fachübergreifende Ausbildung in Form von Studium-generale-Veranstaltungen, Ringvorlesungen etc. in der Regel additiv angeboten. Gefragt ist aber eine generalistische Bildung, die mit der Reflexion der wissenschaftlich-philosophischen Grundlagen und den interdisziplinären Querverbindungen eines bestimmten Faches zugleich einen fachübergreifenden Horizont eröffnet (Ropohl) und gleichzeitig zur Ausprägung einer freiheitlich demokratischen Grundeinstellung beiträgt. Das bedeutet, fachübergreifende Themen dürfen nicht als fachfremde Zutat, sondern müssen technikintegriert gelehrt werden, z.B. in interdisziplinären Forschungsseminaren, in denen anhand komplexer Forschungsthemen Ingenieure, Naturwissenschaftler, Ökologen, Juristen und andere Disziplinen zusammenarbeiten und ihre fachspezifische Forschung in ein übergeordnetes Thema integrieren.

Die im Jahre 1990 durch die tiefgreifenden Veränderungen der gesellschaftlichen Ordnung möglich gewordene Neustrukturierung der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau brachte auch die Chance, dieses neue Anforderungsprofil in Forschung und Lehre aufzunehmen.

Nach einer zweijährigen Vorlaufphase bietet die Technische Universität Chemnitz-Zwickau seit dem Sommersemester 1993 interessierten Studentinnen und Studenten im Hauptstudium aller Studiengänge die Möglichkeit einer Zusatzqualifizierung zum Erwerb eines Universitätszertifikates "Technikfolgen-Umwelt" an. Ziel dieser, zum eigenen Studiengang optionalen Zusatzqualifikation ist die Befähigung zum interdisziplinären Arbeiten und ganzheitlichen Denken.

Die am Erwerb des Zertifikates interessierten Studentinnen und Studenten besuchen nach abgelegter Diplomvorprüfung nach persönlicher Wahl drei Wahlpflichtfächer sowie je nach persönlichem Interesse vier Wahlfächer. Jede Lehrveranstaltung schließt mit einem Leistungsnachweis (Klausur oder Kolloquium) ab.

An Wahlpflichtfächern werden derzeit angeboten:

- Umweltanalytik

- Umwelttechnologie, Toxikologie

- Ökologische Chemie

- Fabrikökologie

- Biotechnologie

- Strategien und Instrumente einer sozial- und umweltverträglichen Technikgestaltung.

An Wahlfächern:

- Ausgewählte Methoden in der mathematischen Statistik

- Umweltanalytik-Praktikum

- Energieerzeugung und -wandlung

- Energie und Umwelt

- Korrosion, Verschleiß, Beschichtungs- und Tribotechnik

- Zuverlässigkeit von Systemen, Sicherheitstechnik, Schadensfallanalyse

- Radioaktivität und Strahlenschutz

- Gefährdung durch Elektrizität / Elektrosmog

- Schadstoffausbreitung

- Abfallwirtschaft

- Bewertung von Fertigungsprozessen und Produkten im Maschinenbau

- Elektronikschrottrecycling

- Datenanalyse mit dem PC

- Umweltinformatik

- Recycling und schadstoffarme Entsorgung von Kunststoffen und Gummi

- Produktrecycling

- Umwelt- und Ressourcenökonomie

- Umweltrecht.

Den genannten Lehrveranstaltungen wird sich ein interdisziplinäres Forschungsseminar anschließen, in dem die Teilnehmer in ein interdisziplinäres Forschungsprojekt eingeführt werden. Das Seminar wird so angelegt, daß es für fachübergreifende wissenschaftliche Arbeiten, insbesondere für Diplom- und Doktorarbeiten, die Betreuung und die Durchführung der entsprechenden Graduierungsverfahren gewährleisten kann.

Als weiteres neues Studienangebot wird seit dem Wintersemester 1995/96 der "Aufbaustudiengang Technikfolgen - Umwelt" angeboten. Dieser interdisziplinäre Studiengang wird von allen Fakultäten der Universität getragen und schließt nach 4 Semestern mit dem Titel "Diplom-Umweltwissenschaftler" ab. Zu den Studienzeiten gehört eine praxisbezogene und zukunftsorientierte Vermittlung von umwelt- und technikfolgenbezogenen Zusammenhängen sowie die Entwicklung der Fähigkeit, ökologische Probleme mit wissenschaftlichen Methoden zu bewältigen.

Die zu vermittelnde inhaltliche Vielseitigkeit soll zu einer hohen beruflichen Flexibilität der Absolventen führen, um eigenständig Aufgabenstellungen an den Schnittstellen zwischen Naturwissenschaften, Technik, Technikfolgen und Umwelt untersuchen und bearbeiten zu können.

Die hohe Resonanz von 46 Ersteinschreibungen im Wintersemester 1995 läßt auf einen relativ großen Bedarf für dieses Ausbildungsprofil schließen.

Die genannten Ausbildungsgänge werden von dem 1991 an der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau gegründeten Zentrum Technikfolgen - Umwelt (ZTU) angeboten. Diese interdisziplinäre Einrichtung dient der Koordinierung von Lehre und Forschung auf den Gebieten

- Technikfolgenforschung, Technikfolgenabschätzung, Technikfolgenbewertung

- Sozial- und umweltverträgliche Technikgestaltung

- Umwelterhaltung, Umweltschutz, Umweltsanierung.

Im ZTU arbeiten Ingenieur- und Naturwissenschaftler, Sozial- und Geisteswissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler und Juristen an prozeß- und produktbezogenen Aufgaben mit unmittelbaren Realisierungsabsichten zusammen. Die Aktivitäten vollziehen sich überwiegend in interdisziplinären Arbeitsgruppen, die den Lehraufgaben und Forschungsprojekten entsprechend gebildet werden.

Arbeitsschwerpunkte des ZTU sind:

- Technikfolgenforschung, Technikfolgenabschätzung, Technikfolgenbewertung und Technikgestaltung

- Alternative und regenerative Umweltverbesserung (Luft, Boden, Wasser, Entsorgung und Deponierung)

- Produktionsintegrierter Umweltschutz in der chemischen Industrie

- Natur- und technikwissenschaftliche Arbeiten zur Umweltforschung, insbesondere konstruktiv-technologische Produktvorbereitung, innovative Produktions- und Verfahrenstechnik und juristische Fragen der ökologisch und sozialverträglichen Technikentwicklung, Umweltrecht

- Philosophisches Natur- und Technikverständnis

- Technikfolgenabschätzung als Politikberatungsinstrument.

Weitere Informationen über die

Zentrale Studienberatung der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau
Straße der Nationen 62
Tel.: 0371/531-1637/1638
oder die
Fakultät für Naturwissenschaften
Studiendekan Chemie, Prof. Dr. Wagner,
Dr. Schreckenbach
Tel.: 0371/531-1475/-1515/-1478