TAB News

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EPTA-Konferenz

Unter dem Motto „Produktivität und neue Technologien – Auswirkungen auf die Arbeitswelt und das Wohlergehen in Europa“ stand die EPTA-Konferenz, die am 28. Oktober 2014 in Oslo stattfand. Eingeladen hatte der Präsident des Storting (Norwegisches Parlament), Olemic Thommessen, gemeinsam mit Siri Hatlen, der Präsidentin des NBT (Norwegian Board of Technology).

Im Windschatten der Finanzkrise von 2008 und der nachfolgenden Rezession ist das Thema Produktivität als zentrale Triebkraft für Wachstum und Wohlstand in etlichen Industrienationen auf der Agenda weit nach oben gerückt. Auf welche Weise technologische und organisatorische Innovationen hier einen Beitrag leisten können und mit welcher Art von politischen Maßnahmen diese Entwicklung unterstützt werden kann, waren die zentralen Fragestellungen der Konferenz.

Als thematischer Input wurde im Vorfeld von 15 EPTA-Mitgliedsinstituten gemeinsam der Bericht „Productivity in Europe and the United States. Technology Trends and Policy Measures“ erstellt. Aus jedem Land werden hier die gegenwärtige Situation und die Herausforderungen dargestellt sowie über Projekte und Ergebnisse der Technikfolgenabschätzung berichtet. Auf der Website des norwegischen NBT steht das Papier zum Download bereit (http://teknologiradet.no/wp-content/uploads/sites/19/2014/11/EPTA-rapport-WEB-13.11.2014.pdf). In vier thematischen Sessions wurden internationale Erfahrungen ausgetauscht und lebhaft diskutiert:

Eine Kernthese stand dabei immer wieder im Zentrum: Nicht nur der Niedriglohnsektor sondern verstärkt auch mittlere Jobs werden von Computerisierung und Roboterisierung bedroht. Dies könne bis zu 40–50 % aller Jobs betreffen. Ob ein Ausgleich durch die Schaffung neuer Arbeitsfelder bzw. durch starkes Wachstum möglich ist, war hoch umstritten. Aus Perspektive der Technikfolgenabschätzung ist daher das Plädoyer konsequent, sich auf mögliche soziale Herausforderungen frühzeitig einzustellen, auch wenn noch nicht klar ist, in welche Richtung die Reise geht.

 

EPTA-Council

Der EPTA-Council ist das Gremium, in dem das Netzwerk betreffende Themen intern diskutiert und ggf. entschieden werden. Aus Österreich wurde berichtet, dass das ITA im Auftrag des Österreichischen Parlaments mit einer Studie begonnen hat, auf welche Weise TA bzw. Foresight für das Parlament institutionalisiert und genutzt werden können. Erfreuliche Neuigkeiten gab es auch aus dem französischsprachigen Landesteil Belgiens: Dem Wallonischen Parlament liegt ein politisch breit getragener Antrag zur Institutionalisierung von TA vor, über den möglicherweise bald entschieden werden soll.

Dieses Jahr feiert OPECST (Office Parlementaire d’Evaluation des Choix Scientifiques et Technologiques) sein 30-jähriges Bestehen und übernimmt gleichzeitig die EPTA-Präsidentschaft. Demzufolge wird die nächste EPTA-Konferenz in Paris stattfinden. Voraussichtlich vom 23.–25. September 2015 wird sich die europäische TA-Community mit dem Thema „Coordination of innovation policies and the contribution of Technology Assessment“ auseinandersetzen.

 

Neuer Mitarbeiter im TAB

Steffen Albrecht arbeitet seit Oktober 2014 als Wissenschaftler im TAB. Er studierte Soziologie (Dipl.), Philosophie, Politikwissenschaft und Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg. Nach einer Beschäftigung als Usability Consultant forschte er an der TU Hamburg-Harburg, wo er 2009 mit einer Arbeit über die Architektur und Dynamik politischer Diskurse im Internet promovierte. Als Postdoc arbeitete er an der FU Berlin, der TU Dresden und war Projektleiter für Online-Bürgerbeteiligung bei der Zebralog GmbH & Co.KG. Nachdem er bereits im September 2013 Mitarbeiter am ITAS im SYN-ENERGENE-Projekt zur Synthetischen Biologie wurde, bearbeitet er am TAB neben diesem Thema insbesondere Fragen der Bürgerbeteiligung und der digitalen Kommunikationsmedien.

 

TAB-Berichte im Bundestag

Zwei TAB-Arbeitsberichte wurden im Plenum des Deutschen Bundestages behandelt. Am 5.2.2015 wurde der Bericht Nr. 159 „Climate Engineering“ diskutiert (PL-Protokoll 18/82; Audiodatei: http://dbtg.tv/fvid/4506075) und zur abschließenden Beratung an den federführenden Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung überwiesen. Am 17.10.2014 wurde der Bericht Nr. 154 „Fernerkundung: Anwendungspotenziale in Afrika“ diskutiert (PL-Protokoll 18/61; Audiodatei: http://dbtg.tv/fvid/3992932) und zur weiteren Befassung an die Ausschüsse überwiesen. hib-Nachrichten, Das Parlament und die Jugendredaktion des Bundestags Mitmischen berichteten.

Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 161 „Inwertsetzung von Biodiversität“ wurde am 3.12.2014 im Bundestag in der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung präsentiert und vom Ausschuss abgenommen. Er ist als Bundestagsdrucksache Nr. 18/3764 erschienen.

Im Ausschuss für Wirtschaft und Energie wurden die TAB-Arbeitsberichte Nr. 150 „Die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Roh-und Werkstoffen für Hochtechnologien – Präzisierung und Weiterentwicklung der deutschen Rohstoffstrategie“ am 12.11.2014 und Nr. 147 „Regenerative Energieträger zur Sicherung der Grundlast in der Stromversorgung“ am 14.1.2015 abschließend beraten.

 

Neue Veröffentlichungen

Claudio Caviezel, Christoph Revermann: Climate Engineering. Berlin: edition sigma 2014, ISBN 978-3-8360-8141-2, 336 S., 29,90 Euro
Jahr für Jahr erreichen die CO2-Emissionen neue Rekordwerte – und das trotz der Selbstverpflichtung vieler Staaten, ihren Treibhausgasausstoß zu senken. Viele Experten bezweifeln inzwischen, ob dem Klimawandel durch Minderung von Emissionen noch wirksam begegnet werden kann. Und manche setzen ihre Hoffnung darauf, einer drohenden Klimakatastrophe durch andere Maßnahmen begegnen zu können: durch Instrumente des „Climate Engineering“. Sie zielen entweder darauf, CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen und sicher zu deponieren, oder auf eine Abkühlung des Planeten durch Reduktion der Sonneneinstrahlung, die die Erdoberfläche erreicht. Es gibt bereits Vorschläge, wie dies technisch realisiert werden könnte, und vereinzelte Pilotversuche, doch für alle Varianten ist klar: Eine erforderliche weiträumige Manipulation der natürlichen Erdsystemprozesse wäre mit enormen Auswirkungen für Mensch und Umwelt verbunden. Die Autoren dieses Bandes stellen die heute diskutierten technischen Verfahren vor, bewerten ihre Möglichkeiten und Gefahren und plädieren für eine politische und gesellschaftliche Debatte darüber, ob bzw. welche Ansätze weiter erforscht oder entwickelt und welche Risiken dafür eingegangen werden sollen.

TAB-Arbeitsbericht Nr. 157 „Technischer Fortschritt im Gesundheitswesen: Quelle für Kostensteigerungen oder Chance für Kostensenkungen?“ (Mai 2013; Verfasser: Tanja Bratan, Sven Wydra)
Innovationen im Gesundheitswesen stehen im Spannungsfeld verschiedener politischer Ziele. Sie sollen zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung, einer langfristigen Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems und – analog zu anderen Wirtschaftsbereichen – auch zu wirtschaftlichem Wachstum und Beschäftigung beitragen. Dies stellt die Akteure im Innovationssystem Gesundheit vor erhebliche Herausforderungen. Dabei steht insbesondere die Befürchtung eventuell ausufernder Gesundheitskosten durch den medizinisch-technischen Fortschritt (MTF) seit Langem im Blickpunkt. Der MTF wird neben demografischen Veränderungen häufig als zentraler Kostentreiber diskutiert. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Rolle der MTF in Bezug auf die Entwicklung der Gesundheitsausgaben tatsächlich spielt, was unter Berücksichtigung der o. g. Ziele wünschenswerte Innovationen sind und wie diese hervorgebracht und in ihrer Diffusion gefördert werden können.

Zu diesem Zweck analysiert dieser TAB-Bericht die Auswirkungen des MTF auf die Kosten des Gesundheitssystems in Wechselwirkung mit den dazugehörigen Rahmenbedingungen, aber auch auf andere Zielgrößen, insbesondere die Gesundheit der Bevölkerung sowie Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Die Analysen erfolgen auf zwei Betrachtungsebenen: Auf der Makroebene werden die gesamtgesellschaftlichen Implikationen des MTF diskutiert und insbesondere eine kritische Analyse zur empirischen Evidenz der Kostenwirkungen des MTF durchgeführt. Auf der Mikroebene werden anhand von Fallstudien die Effizienz (Kosten-Nutzen-Effekte) und Diffusion ausgewählter wichtiger Beispiele des MTF sowie Unterschiede zwischen verschiedenen Innovationen betrachtet.

Die Ergebnisse dieser Analysen zeigen, dass sich eine „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen nicht beobachten lässt: Der Anstieg der Gesundheitsausgaben liegt nur knapp über der Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts. Ferner ist die Auswirkung des MTF auf die Gesundheitsausgaben geringer als angenommen, da Ausgabeneffekte anderer Einflussgrößen (Lebensstile, politische Rahmenbedingungen) methodenbedingt dem MTF zugeschrieben werden. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis einzelner Innovationen im Gesundheitssystem wird von einer Vielzahl innovationsspezifisch unterschiedlicher Faktoren beeinflusst (Erstattung, Kompetenz der Anwender, Therapietreue etc.) und differiert erheblich zwischen verschiedenen Innovationen. Zudem wird die Diffusion von Innovationen oft erst spät vom Kosten-Nutzen-Verhältnis beeinflusst. Bei einem Großteil der Innovationen gibt es allerdings kein klares, d. h. eindeutiges und einheitliches Kosten-Nutzen-Verhältnis, da zum einen keine relevanten Studien vorliegen, zum anderen das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Innovation oft davon abhängt, bei welcher Indikation, welchen Schweregraden der Erkrankung, welchen Altersgruppen etc. die betreffende Innovation zur Anwendung kommt.

Der Bericht definiert eine Reihe von Handlungsoptionen für die Schaffung von Rahmenbedingungen, die zur Realisierung der gewünschten Potenziale des MTF und zur Minimierung nichtintendierter Wirkungen beitragen können. Dazu gehören Optionen zur frühzeitigen Schaffung von Evidenz zum Kosten-Nutzen-Verhältnis, zum Setzen von Anreizen zur Verbreitung von Innovationen mit positivem Kosten-Nutzen-Verhältnis sowie zur stärkeren Orientierung der Innovationsförderung an gesundheitlichen und gesellschaftlichen Bedarfen.

Katrin Gerlinger