Die Europäische Wissenschafts- und Technologie-Versammlung ESTA legt ihre Stellungnahme zum Fünften Rahmenprogramm vor

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Die Europäische Wissenschafts- und Technologie-Versammlung ESTA legt ihre Stellungnahme zum Fünften Rahmenprogramm vor

von Torsten Fleischer, ITAS

Die Europäische Wissenschafts- und Technologie-Versammlung (European Science and Technology Agency, ESTA) wurde am 15. März 1994 gegründet. Sie soll eine direkte, ständige Verbindung zwischen der EU-Kommission, der Wissenschaftsgemeinde und der Industrieforschung sichern und die Europäische Kommission bei der Umsetzung europäischer FTE-Politik unterstützen. ESTA setzt sich aus 100 Vertretern aus der europäischen Forschung und Industrie zusammen, die entweder von der Kommission direkt oder - in einigen Fällen - auf Vorschlag ausgewählter europäischer Wissenschafts- und Industrieforschungsorganisationen in das Gremium berufen werden.

Ihre Hauptaufgabe ist die Beratung der EU-Kommission, dabei kann sie sowohl auf deren Anfrage als auch selbst tätig werden. Daneben soll ESTA auch an der Evaluation von Forschungsprogrammen beteiligt werden und die Verfahren und Entscheidungsmechanismen bei der Projektauswahl untersuchen. Im Rahmen dieser Tätigkeiten hat ESTA - auf Wunsch der EU-Kommission - im Juli 1996 einen Bericht zur "Wettbewerbsposition der europäischen Wissenschaft, Technologie und Industrie" veröffentlicht, in dem sie zu dem anstehenden Fünften FTE-Rahmenprogramm Stellung nimmt.

In diesem Bericht vertritt ESTA die Ansicht, daß die EU im Vergleich zur USA und Japan zwar über eine starke wissenschaftliche Basis verfügt, sich jedoch bei deren Umsetzung sowohl im Fertigungs- als auch im Anwendungsbereich im Rückstand befindet. Ihrer Meinung nach sollte die EU ihr Hauptaugenmerk auf diese Schwäche richten.

ESTA schlägt vor, daß die EU eine Aktion "Blick in die technologische Zukunft" startet. Mit dieser Idee will man auf europäischer Ebene Aktivitäten fortsetzen, wie diese in ähnlicher Weise von einigen Mitgliedstaaten, darunter Großbritannien ("Progress through Partnership") und Frankreich ("The 100 Technologies that are critical to the French (and European) Industry"), sowie in den USA ("National Critical Technologies Report") und Japan ("White Paper on Science and Technology") in den letzten Jahren durchgeführt wurden. Die Ergebnisse dieser Studien sowie weiterer Arbeiten (darunter auch der deutschen Delphi-Studie) werden im ESTA-Bericht dargestellt, analysiert und verglichen. Daneben wird umfangreiches statistisches Material zu FTE- und anderen Wettbewerbsindikatoren und zu Marktanteilen in verschiedenen Technologiefeldern in aufbereiteter Form vorgestellt.

Die von der ESTA vorgeschlagene Aktion soll zu einem auf wissenschaftlichen und technologischen Indikatoren basierenden Bericht aus gesamteuropäischer Perspektive führen, der einen bedeutenden Beitrag zur Formulierung des Fünften Rahmenprogramms darstellen könnte.

Darüber hinaus empfiehlt ESTA, daß Europa im Hinblick auf das Fünfte Rahmenprogramm seine wissenschaftliche Basis - insbesondere deren Qualität und Leistungsfähigkeit - beibehält und Schlüsseltechnologien im Verhältnis zu den USA und Japan fördert. Bei der Ausarbeitung der Politik sollte größeres Gewicht auf den Transfer und die Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse sowie auf die Mobilität von Forschern gelegt werden.

Was die zur Zeit im Rahmen des Vierten Rahmenprogramms laufenden spezifischen FTE-Programme anbetrifft, schlägt ESTA vor, diese in das Fünfte Rahmenprogramm zu übernehmen. Die zweite und dritte Aktivität (Zusammenarbeit mit Drittländern bzw. Verbreitung und Nutzung der Ergebnisse) sollten jedoch sorgfältig überprüft und mit den Aktivitäten der USA und Japans auf diesem Gebiet verglichen werden.

ESTA weist darauf hin, daß eine bessere Koordination von nationalen und europäischen Technologiepolitiken und eine innereuropäische Verständigung über die zukünftige Bedeutung ausgewählter Technologien nötig seien, wobei die Hauptverantwortlichkeit jedoch auf nationaler Ebene verbleiben und europäische FTE-Programme die nationalen Programme in den für die europäische Wettbewerbsfähigkeit besonders wichtigen Bereichen ergänzen sollten. ESTA empfiehlt darüber hinaus, daß die EU die Bedürfnisse der KMU im Rahmen der FTE-Programme sorgfältig analysiert, insbesondere soweit sie die Ausbildung und Mobilität von Forschern betreffen.

Zum Abschluß befürwortet ESTA im Rahmen der Erarbeitung des Fünften Rahmenprogramms eine eingehende Auseinandersetzung mit verschiedenen sozialen und ökonomischen Fragen, von denen viele bereits im Grünbuch der Kommission zur Innovation angesprochen wurden. Dazu sollen insbesondere auch transdisziplinäre Untersuchungen zu sozialen und kulturellen Bedingungen und Folgen für Europa und zu einem besseren Verständnis von sozialer und kultureller Integration und Disintegration in Zeiten umfangreicher technologischer und wirtschaftlicher Wandlungsprozesse durchgeführt werden.

Bibliographische Angaben

ESTA (ed.): The Competitive Position of European Science, Technology and Industry. An ESTA opinion related to the 5th Framework Programme. ESTA/96-201/FINAL (May 1996) 70 pp.

Der ausschließlich in englischer Sprache verfügbare Bericht ist erhältlich von

ESTA-Sekretariat
8 Square de Meeus
B-1040 Brussels
Tel.: +32-2-2957056/2994856