ITAS-News

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Wechsel in der Leitung des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)

Zum Jahresbeginn 2002 übernahm der Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe, Herr Prof. Dr. Armin Grunwald, die Leitung des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) in Berlin. Er löste damit Herrn Professor Dr. Herbert Paschen ab, der das TAB seit seiner Gründung im Jahre 1990 geleitet hat und nun, nach seiner Verabschiedung im Rahmen der Sitzung des Bundestagsausschusses für Forschung, Bildung und Technikfolgenabschätzung am 30. Januar 2002, in den Ruhestand geht. Alle Fraktionen zollten Herrn Paschen Dank und Anerkennung für seine Arbeit. Gedankt wurde ihm insbesondere dafür, dass er "das Instrument des TAB so hartnäckig in der deutschen Wissenschaftslandschaft verankert" habe. Herr Paschen wird einige der laufenden TA-Projekte des TAB bis zum Abschluss begleiten und dem TAB darüber hinaus eng verbunden bleiben.

Das TAB wird seit seiner Einrichtung vom Forschungszentrum Karlsruhe betrieben und stellt eine selbständige Einrichtung des ITAS dar. Seine Aufgabe ist es, zur Verbesserung der Informationsgrundlagen insbesondere forschungs- und technologiebezogener parlamentarischer Beratungsprozesse beizutragen. Zu diesem Zweck werden sowohl umfassende TA-Projekte als auch Projekte zur Beobachtung relevanter technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen (Monitoring) durchgeführt. Das TAB arbeitet in strikter Orientierung am Informationsbedarf des Deutschen Bundestages und seiner Ausschüsse. Unmittelbarer Auftraggeber ist der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, der über die Arbeitsschwerpunkte des TAB entscheidet. Anforderungen zur Durchführung von TA-Analysen können von allen Fachausschüssen des Deutschen Bundestages kommen.

Seit 1990 hat das TAB dem Deutschen Bundestag mehr als siebzig Berichte zu Projekten und anderen Aktivitäten vorgelegt. Beispielhaft zu nennen sind die Studien zum Raumtransportsystem "Sänger" (1992), zu Neuen Materialien (1994), zu Multimedia (1995), zu Nachwachsenden Rohstoffen (1996), zum Klonen von Tieren (1999) und zur Brennstoffzellentechnologie (2001). Diese Studien haben die parlamentarischen Beratungen deutlich bereichert und in vielen Fällen zu Beschlussempfehlungen geführt. Anlässlich des 10jährigen Bestehens wurde die Arbeit des TAB von allen im Bundestag vertretenen Parteien einhellig gelobt.

Die bisherige Arbeitsweise des TAB wird durch den Wechsel in der Leitung nicht verändert. Das Prinzip, TA-Studien unter Beteiligung eines umfangreichen Netzwerkes thematisch einschlägiger universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen zu erstellen, wird genauso beibehalten wie die intensive Kommunikation mit dem Forschungsausschuss und den nachfragenden Fachausschüssen. Die enge Kooperation zwischen ITAS und TAB, wie sie in jüngster Zeit in den Projekten "Neue Medien und Kultur" und "e-Commerce" praktiziert wurde, stellt eine wichtige Basis für eine weiterhin erfolgreiche Arbeit dar.

(Armin Grunwald)

 

 

Leiter des ITAS übernimmt SEL-Stiftungsprofessur an der TU Darmstadt

Vom Präsidenten der TU Darmstadt wurde der Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Herr Prof. Dr. Armin Grunwald, für das Sommersemester 2002 auf die SEL -Stiftungsprofessur für interdisziplinäre Studien berufen. Vorausgegangen war ein Auswahlverfahren im Rahmen einer Berufungskommission des Stiftungsrates der SEL-Stiftung für technische und wirtschaftliche Kommunikationsforschung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Die Stiftungsprofessur soll "Brücken zwischen Sozial-, Natur- und Technikwissenschaften schlagen, die Verantwortung der einzelnen Disziplinen für die gesamte Gesellschaft unterstreichen, die Einbettung von Wissenschaft und Technik in eine sie tragende staatliche Gemeinschaft fördern und Folgerungen für Wissenschaft und Politik, industrielle und soziale Entwicklungen ableiten". Verbunden hiermit ist eine interdisziplinäre Ausbildungskonzeption.

Im Rahmen dieser Stiftungsprofessur wird Herr Grunwald im Sommersemester 2002 im Rahmen der universitären Lehre eine Vorlesung und zur Bereicherung der interdisziplinären Forschung ein Forschungskolloquium veranstalten sowie einen Workshop als Abschlussveranstaltung organisieren.

In der Vorlesung "Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Technikgestaltung" werden die aktuellen Diskussionen um gesellschaftliche Technikgestaltung kritisch aufgearbeitet. Dies reicht von sozialwissenschaftlichen Modellierungen der Technikentwicklung über die Frage nach der Legitimation von neuen Technologien bis hin zur Frage nach der Bedeutung argumentativer Rationalität in Technikentscheidungen und den entsprechenden Konsequenzen für Technikfolgenabschätzung.

Im Forschungskolloquium werden interdisziplinäre Forschungsprojekte der TU Darmstadt im Hinblick auf konzeptionelle und methodische Fragen diskutiert. Neben der Reflexion der spezifisch interdisziplinären Herausforderungen und Probleme dient dies auch der Auslotung möglicher weiterführender Kooperationen. Besondere Bedeutung kommen dabei Arbeiten des ZIT (Zentrum für interdisziplinäre Technikforschung) und des IANUS (Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit) zu, aber auch größeren Verbundvorhaben, vor allem zu Forschung und Entwicklung im Hinblick auf Nachhaltigkeit.

Der Workshop "Technikgestaltung - zwischen Metapher und Praxis" wird im Oktober 2002 in Darmstadt stattfinden. Die Karriere des Begriffs der Technikgestaltung in der Folge des Slogans "shaping technology" hat bislang nicht zu einer klaren Begrifflichkeit oder einem eindeutigen Programm geführt. Ingenieure verstehen etwas anderes darunter als Politiker, Manager etwas anderes als Sozialwissenschaftler. Dies ist der Anlass, den Begriff der Technikgestaltung aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Explizit zum Zuge kommen werden die philosophische Reflexion, der ingenieurmäßige Zugang, der sozial- und politikwissenschaftliche Zugang sowie das Verhältnis von Technikgestaltung und Nachhaltigkeit (nähere Informationen im folgenden Heft der "Technikfolgenabschätzung").

(Armin Grunwald)

 

 

ITAS-Workshop zu "Nachhaltige Entwicklung und Globaler Wandel"

Gemeinsam mit dem BMBF wird das ITAS vom 6. - 7. Juni 2002 in Bonn eine Tagung zum Thema "Nachhaltige Entwicklung und Globaler Wandel - Bestandsaufnahme, Bewertung und Handlungsbedarf" veranstalten. Ziel dieser Tagung ist es, Erfordernisse und Möglichkeiten einer künftig stärkeren Verknüpfung dessen, was unter dem Stichwort "Globaler Wandel" subsumiert und erforscht wird, mit dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung mit Experten vorwiegend aus dem Wissenschaftsbereich zu diskutieren.

Die Global Change-Forschung befasst sich bislang vorwiegend mit globalen Veränderungen von Umweltsystemen, deren anthropogenen Ursachen sowie mit den Rückwirkungen dieser Veränderungen auf sozioökonomische Systeme. Hinlänglich bekannte Beispiele hierfür sind der Klimawandel, die Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht oder auch die Süßwasserproblematik. Eine stärkere Orientierung an einem integrativ verstandenen, am Gerechtigkeitspostulat orientierten Nachhaltigkeitsleitbild, wie es unter Federführung von ITAS im Rahmen des HGF-Verbundprojekts "Global zukunftsfähige Entwicklung - Perspektiven für Deutschland" erarbeitet worden ist, hätte in verschiedener Weise Veränderungen bzw. Ergänzungen von Perspektiven zur Folge, die im Laufe der Tagung mit den Experten diskutiert werden sollen. Hierzu zählt beispielsweise eine detailliertere Betrachtung auch anderer globaler Wandelsphänomene, etwa solcher im Zusammenhang mit den verschiedenen Globalisierungsprozessen, mit technischen Entwicklungen z. B. im Bereich Information und Kommunikation oder auch mit der Beschaffenheit der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig würde auch die Erfordernis einer Behandlung drängender, nicht im ökologischen Bereich liegender Problemfelder (z. B. Hunger, Armut, existenzbedrohende Krankheiten, Arbeitslosigkeit) stärker in den Mittelpunkt rücken, die häufig anderen Ursache-Wirkungs-Mustern folgen als die ökologischen.

Ebenso müssten bei der Suche nach geeigneten Problemlösungsansätzen auf der globalen, nationalen und lokalen Ebene Fragen des Zugangs zu bzw. der Verfügbarkeit von gesellschaftlichen Ressourcen unterschiedlicher Art, also letztlich der nationalen und internationalen Verteilungsgerechtigkeit, stärker ins Zentrum rücken. Gleiches gilt für die in vielfältiger Weise verursachten nationalen und grenzüberschreitenden Konflikte sowie geeignete zivile Strategien und Mechanismen zu deren Lösung bzw. Vermeidung.

Diese Fragen im Blick sollen im Laufe der eineinhalbtägigen Veranstaltung die Möglichkeiten, Grenzen und Implikationen einer stärkeren Verknüpfung zwischen der Global Change-Forschung mit Nachhaltigkeitskriterien bzw. mit entsprechenden Forschungsaktivitäten am Beispiel der drei Themenfelder Wasserressourcen, Humankapital/Bildung/Wissen sowie Global Governance diskutiert werden. Alle drei Themen spielen in der Nachhaltigkeitsdebatte und auch in der globalen Perspektive eine zunehmend bedeutsame Rolle. Während es bei der Wasserthematik vor allem darum gehen dürfte, zur bisherigen Praxis ergänzende Perspektiven aus Sicht der Nachhaltigkeit einzubringen - insbesondere was die Problemlösungsebene anbelangt -, wären die beiden anderen Themen weitgehend neu in den Global Change-Forschungsbereich zu integrieren.

Mit diesen drei Themenfeldern bietet sich die Möglichkeit, ein breites Spektrum verschiedener Anknüpfungspunkte sowohl auf der politischen Handlungsebene als auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten: zum einen wird mit der Wasserthematik ein vorwiegend als Problemfeld definierter Bereich angesprochen, zum anderen mit Bildung ein Thema, das sowohl ein Problem (Mangel, schlechte Qualität) als auch ein wichtiges Problemlösungspotenzial darstellt, und schließlich mit Global Governance ein auf der politisch-gesellschaftlichen Umsetzungs- und Problemlösungsebene angesiedeltes Thema. Im Rahmen von jeweils drei Vorträgen je Themenbereich und einer abschließenden Podiumsdiskussion sollen die mit den Themen im Einzelnen und mit ihren Wechselbeziehungen assoziierbaren globalen Wandelsprozesse und die Anforderungen aus Sicht des Nachhaltigkeitsleitbilds im Licht der gegenwärtigen Situation (Stand der Debatten, aktuelle Probleme und Konfliktfelder) dargestellt und erörtert werden. Weiterhin sollen erkennbare Entwicklungstrends sowie daraus ableitbare Handlungs- und Forschungserfordernisse analysiert und mit den Teilnehmern diskutiert werden.

Die Teilnehmerzahl ist auf 60 Personen begrenzt: Bei Interesse wenden Sie sich bitte an

Dipl.-Volksw. Jürgen Kopfmüller
Forschungszentrum Karlsruhe GmbH
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 36 40, 76021 Karlsruhe
E-Mail: juergen kopfmueller∂kit edu

 

 

Zusammenarbeit mit Mittel- und Osteuropa

In den letzten Jahren hat ITAS seine Kooperation mit in- und ausländischen Institutionen ausgebaut. Verstärkt ging es dabei auch um die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Ländern Mittel- und Osteuropas. Aus zunächst sporadischen Kontakten hat sich zwischenzeitlich ein planvolles Miteinander ergeben. Wissenschaftleraustausche, Vorträge und Vorlesungen, gemeinsame Lehrprogramme, Veranstaltungen und Publikationen sowie langfristige Kooperationsvereinbarungen und die (gemeinsame) Betreuung von Doktoranden bestimmen das Bild, sind "wissenschaftlicher Alltag" im ITAS. Beispiele für Partner sind die Russische Akademie der Wissenschaften, die Internationale Unabhängige Universität für Ökologie und Politologie und die Technische Baumann-Hochschule in Moskau (Russland), das Institut für Philosophie der Schlesischen Universität Katowice, die Hochschule für Sozialwissenschaften und Management in Tychy und die Leon Kozminski-Akademie in Warschau (Polen), das Zentrum für Wissenschafts-, Technik- und Gesellschaftsstudien am Institut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und der Lehrstuhl Ethik und Ästhetik der Matej-Bel-Universität Banská Bystrica (Slowakische Republik).

Die Themen der Zusammenarbeit reichen von Grundfragen der Technikfolgenabschätzung und der Umweltforschung über Innovationsstrategien, elektronische Verwaltung und den Zusammenhang von Medien und Kultur bis hin zu speziellen Fragen der Wissenschaftsphilosophie und Technikethik. Im Konferenzteil dieses Heftes der "Technikfolgenabschätzung" wird auf zwei Veranstaltungen, die in diesem Zusammenhang stattfanden, ausführlicher eingegangen: auf den Workshop "Ethik und Informationsgesellschaft", der im April 2002 in Banská Bystrica stattfand (s. S. 147), und auf die Konferenz "Rationalität heute - Vorstellungen, Wandlungen, Herausforderungen", die im September des vergangenen Jahres in Ustron in der Nähe von Katowice durchgeführt wurde (s. S. 143).

Zum ITAS-Forschungsschwerpunkt "Konzepte, Methoden und Funktionen problemorientierter Forschung" gehören nicht nur Projekte zu "Grundsatzfragen" (wie z. B. das Verhältnis von TA und Wirtschaft oder der Stellenwert partizipatorischer TA), sondern auch speziellere Überlegungen, z. B. zur Risiko- und zur Techniktheorie. Zu nennen sind hier mehrere Beiträge im Heft 2-3/2001 der in Prag erscheinenden Zeitschrift "Teorie vedy" ("Theorie der Wissenschaften"), das dem Thema "Risiko im Kontext von Wissenschaft und Technik" gewidmet ist, das vor kurzem von Gerhard Banse, ITAS, und Hans-Peter Müller, FU Berlin, Institut für Soziologie, im Waxmann-Verlag herausgegebene Buch "Erfindungen - Versuch der historischen, theoretischen und empirischen Annäherung an einen vielschichtigen Begriff" (Münster u. a. 2001), der gerade erschienene FZKA-Bericht 6697 "Technikbilder und Technikkonzepte im Wandel" sowie das gemeinsam mit der Leibniz-Sozietät im Oktober 2002 durchgeführte Symposium "Allgemeine Technologie - Vergangenheit und Gegenwart", über das ebenfalls im Konferenzteil des vorliegenden Heftes berichtet wird.

(Gerhard Banse)

Bibliographische Angaben

Banse, G.; Müller, H.-P.:
Erfindungen - Versuch der historischen, theoretischen und empirischen Annäherung an einen vielschichtigen Begriff. Münster u. a.: Waxman-Verlag, 2001

Banse, G.:
Technikbilder und Technikkonzepte im Wandel. Wissenschaftliche Berichte des Forschungszentrums Karlsruhe, FZKA 6697, Karlsruhe 2002

Der Bericht ist über den Autor erhältlich:

Prof. Dr. Gerhard Banse
Forschungszentrum Karlsruhe GmbH
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 36 40, 76021 Karlsruhe
E-Mail: gerhard banse∂kit edu.

 

 

ESTO Mitgliederversammlung: Neuer Vertrag unterstreicht Bedeutung für European Research Area

Das ITAS ist seit Gründung des Netzwerks Mitglied des European Science and Technology Observatory (ESTO). Mit einer Mitgliederversammlung im Institute for Prospective Technological Studies (IPTS) der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission in Sevilla am 7. und 8. Februar 2002 dokumentierte ESTO das Inkrafttreten eines neuen, über vier Jahre laufenden Vertrages. Das Ereignis bot die Gelegenheit, die Aktivitäten des Netzwerks seit seiner Gründung im Jahr 1996 Revue passieren zu lassen und kritisch auszuwerten.

Das Netzwerk ging aus einer Gruppe von führenden Europäischen Einrichtungen auf dem Gebiet der zukunftsorientierten sozio-ökonomischen Technikforschung hervor, die das IPTS während der "Nullserie" seines monatlich erscheinenden "IPTS Report" berieten.

Das "innere" Netzwerk während der Laufzeit des ersten Vertrages bestand aus vierzehn Einrichtungen verschiedenster Art und Größe, von Universitätseinrichtungen über öffentliche Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Vorsorgeforschung und der industrienahen Auftragsforschung bis hin zu Unternehmen, die sich als Consultants verstehen. Während der ersten vier Jahre des Bestehens hat sich das Profil des ESTO kontinuierlich weiterentwickelt, was sich unter anderem durch mehrere Änderungen des ursprünglichen Vertrages äußerte, die einer Flexibilisierung und Anpassung an die Bedürfnisse möglicher "Auftraggeber" des Netzwerks dienten. Anfangs wurden die Themen der so genannten "spezifischen Projekte" weitgehend innerhalb des Netzwerks generiert, während sie spätestens ab Amtsantritt des jetzigen Direktors, Dr. Jean-Marie Cadiou, immer auf "Auftraggeber" in europäischen Einrichtungen, meist EU-Kommission oder Parlament, zurückgingen.

Wurde anfangs der Verdacht geäußert, dass es sich bei ESTO um einen "Club" handele, der eine beträchtliche Fördersumme unter sich aufteilen wolle, wurde das Netzwerk um immer mehr "assoziierte" Mitglieder erweitert, die sich an sämtlichen Aktivitäten beteiligen können und sämtliche Informationen erhalten. Einige assoziierte Mitglieder wurden mittlerweile Vollmitglieder des Netzwerks, das zu Beginn der 2. Phase des Netzwerks aus 20 Einrichtungen einschließlich des Administrators besteht. Vielerorts wird das Netzwerk denn auch als beispielhaft für die Ausgestaltung der "European Research Area" angesehen.

Hervorzuheben ist, dass das ESTO in seiner Arbeit wettbewerbliche und kooperative Elemente kombiniert. Die Mitglieder bekunden Interesse an der Beteiligung an spezifischen Projekten und gegebenenfalls findet eine Auswahl unter den "Kandidaten" statt. Falls erforderlich, helfen die Mitglieder des Netzwerks bei der Suche nach geeigneten Einrichtungen zur Durchführung bestimmter Projekte, die von den vorhandenen ESTO-Mitgliedern thematisch nicht ausreichend abgedeckt werden.

Neben den spezifischen Projekten, die einen Großteil des ESTO-Etats verbrauchen, ist das ESTO verpflichtet, an der Zeitschrift "IPTS Report" mitzuwirken und auf kurzfristige Anfragen von Kommissionsdienststellen zu antworten, die so genannten "Fast Track" Aktivität.

Das IPTS ist für die Organisation des Netzwerks zuständig und hat den Vorsitz im Executive Committee inne, das oberste Beschlussorgan des Netzwerks zwischen den Mitgliederversammlungen. Neben dem IPTS gehören diesem Komitee vier jeweils auf ein Jahr gewählte Mitglieder aus ESTO-Vollmitgliedern an. Das ITAS war stets im Executive Committee mit einem Mitglied vertreten. Das Executive Committee ist unter anderem zuständig für die Genehmigung der "implementation plans" für spezifische Projekte sowie für die Qualitätskontrolle bei abgeschlossenen Projekten.

Allmählich bekommt das ESTO den Charakter eines "central actors" auf seinem Betätigungsfeld. Insbesondere bei der Ausschreibung des ersten Vertrages gab es Bewerbungen konkurrierender Gruppierungen, doch wurden inzwischen sämtliche wichtigen Einrichtungen entweder als assoziiertes oder Vollmitglied in ESTO aufgenommen und haben sich dementsprechend an Aktivitäten des Netzwerks beteiligt. Zudem gibt es Ansätze, auch solche Aktivitäten durchzuführen, die nicht direkt der Abarbeitung von Anfragen oder Aufträgen dienen, sondern der Stärkung des Netzwerkcharakters und des damit verbundenen Austauschs dienen sollen. Bei der Jahresversammlung sollte ursprünglich die Diskussion dieser Aktivitäten im Mittelpunkt stehen, sie wurde jedoch verschoben, um ihre bessere Vorbereitung zu ermöglichen.

Detaillierte Informationen zu ESTO sind auf der ESTO-Webseite erhältlich:
http://esto.jrc.es

(Michael Rader)

 

 

TAMI - a new European Thematic Network on Technology Assessment

The project TAMI (Technology Assessment in Europe; between Method and Impact) as a new thematic network funded by the European Commission under the STRATA (Strategic Analysis of Specific Political Issues) programme was launched at the beginning of 2002. The main objective of TAMI is to create and promote a structured dialogue within the Technology Assessment (TA) community as well as between TA experts and policy makers with the aim of improving the impact of TA in Science and Technology (S&T) policy. TAMI involves a group of leading TA experts from major European institutions who will have the chance to discuss core issues in European TA. Such exchange will provide the unique opportunity to exchange information and knowledge gathered through many years of European TA and put it into practical use. In detail, the objectives of the project are: 

The idea to offer this project to the European Commission was born in the follow-up of a conference organised at the European Academy in Bad Neuenahr-Ahrweiler in September of 2000 (the results have recently been published, cf. Decker 2001). The project picks up ideas and challenges from theoretic work (e.g., Grunwald 2000) as well as from concrete experience (e.g., Vig, Paschen 2000).

The European Academy acts as coordinator, the Institute for Technology Assessment and Systems Analysis (ITAS) and the Parliamentary Office of Science and Technology (POST), London, are core partners. Further members of the network are 

(Armin Grunwald)

Literature

Decker, M. (ed.), 2001:
Interdisciplinarity in Technology Assessment. Implementations and its chances and limits. Berlin, Heidelberg: Springer

Grunwald, A., 2000:
Technik für die Gesellschaft von Morgen. Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Technikgestaltung. Frankfurt: Campus

Vig, N. J.; Paschen, H. (eds.), 2000:
Parliaments and Technology. The development of Technology Assessment in Europe. New York: State University of New York Press.