ITAS-News

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Neue Projekte

EU-Projekt AUTOSUPERCAP

Die Entwicklung von Superkondensatoren mit hoher Energie- und Leistungsdichte für automobile Anwendungen wird im Projekt AUTOSUPERCAP von Projektpartner aus Großbritannien, Griechenland, Italien und Deutschland untersucht. Superkondensatoren – auch Doppelschichtkondensatoren genannt – sind essentiell in elektrischen Fahrzeugen sowohl für die Bereitstellung von Energie in der Beschleunigungsphase, welche einen wesentlichen Anteil am gesamten Fahrzyklus besitzt, als auch für die Rückgewinnung von Energie während des Bremsvorgangs. Letztere ist erforderlich für ein nachhaltiges Energie- und Leistungsmanagement in modernen Fahrzeugen mit hoher Energieeffizienz. Hohe spezifische Leistungsdichte und eine ausreichende Energiedichte sind notwendig um den Anforderungen von Fahrzeugen an Energiespeicher zu genügen, ohne dabei das Gesamtgewicht des Fahrzeuges negativ zu beeinflussen. Innerhalb des Projekts sollen Superkondensatoren der zweiten Generation entwickelt werden, welche aber nicht nur hohe Energie- und Leistungsdichten (bei geringen Gewicht) aufweisen, sondern auch ökonomisch und ökologisch Vorteile gegenüber bestehenden Energiespeicher-Systemen haben.

ITAS begleitet mit systemanalytischen Arbeiten den Entwicklungsprozess der Superkondensatoren. Mithilfe von lebenswegbezogenen ökonomischen und ökologischen Analysen und Methoden der multikriteriellen Entscheidungsunterstützung werden aussichtsreiche Entwicklungskorridore identifiziert. Für den Anwendungsfall „Elektromobilität“ wird eine vollständige Ökobilanz (LCA) für ein Elektrofahrzeug mit Superkondensatoren der zweiten Generation durchgeführt.

(Marcel Weil, marcel.weil∂kit.edu)

EU-Projekt PACITA

Wie können institutionelle Voraussetzungen für die wissensbasierte politische Entscheidungsfindung geschaffen werden? Was können diejenigen EU-Länder, die keine parlamentarische TA haben, von jenen Ländern lernen, die parlamentarische TA etabliert haben? Im Zentrum des EU-Projektes „Parliaments and Civil Society in Technology Assessment“ (PACITA) stehen solche und weitere Fragen, die die Kapazitäten für eine wissensbasierte politische Entscheidungsfindung in Europa eruieren. Dabei wird ein Fokus auf die parlamentarische TA (PTA) gelegt, ihre Modelle und länderspezifischen Verfahren systematisch aufgearbeitet und vergleichend gegenübergestellt. PTA unterstützt demokratische technologiepolitische Entscheidungsprozesse durch die Bereitstellung von umfassendem Folgewissen, durch die Unterstützung des gesellschaftlichen Diskurses und durch die Formulierung von politischen Handlungsoptionen.

Das Arbeitsprogramm von PACITA umfasst zunächst die Dokumentation verschiedener Arbeitsweisen parlamentarischer TA, um auf dieser Grundlage Empfehlungen für die Nutzung von parlamentarischen TA-Methoden und -Verfahren auf nationaler und europäischer Ebene zu erarbeiten. Desweiteren werden Fortbildungsmodule für TA-Praktiker und -Nutzer entwickelt, ein europäisches Webportal für TA-Expertise aufgebaut sowie Diskussionen über PTA in Ländern angeregt und unterstützt, in denen entsprechende Strukturen bisher nicht bestehen. Neben der systematischen Einbeziehung von Experten, werden gesellschaftliche Gruppen und politischen Entscheidungsträgern konsultiert und an der Diskussion beteiligt. Mithilfe von drei umfassenden Beispielprojekten der TA werden expertenzentrierte Methoden, Verfahren der Einbeziehung von Interessengruppen und sowie die Durchführung von Bürger-Konsultationen erprobt und dokumentiert.

Im 15 Partner umfassenden Projektkonsortium sind sowohl nationale und regionale parlamentarische TA-Einrichtungen als auch wissenschaftliche Akademien, Forschungsinstitute, Universitäten und Nichtregierungsorganisationen vertreten. Politische Entscheidungsträger, Wissenschaft und Medien der jeweiligen Länder werden in die Projektaktivitäten eingebunden.

(Constanze Scherz, scherz∂kit.edu)

EU-Projekt „Peripheria – Networked Smart Peripheral Cities for Sustainable Lifestyles”

Das „Internet der Zukunft“ kann nachhaltige Lebensstile in europäischen Peripherie-Städten „intelligent“ organisieren. Dazu werden konvergente Plattformen und Dienste entwickelt, die diese Städte, die am Rande von großen Ballungsgebieten liegen, vernetzen. Das EU-Projekt „Peripheria – Networked Smart Peripheral Cities for Sustainable Lifestyles“, indem ITAS einer von zwölf Partnern ist, wurde Ende 2010 begonnen und wird vom „ICT Policy Support-Programme“ der Europäischen Kommission finanziert.

Die neue „Open Service Convergence Platform“, ein Internet von und für die Menschen, wird Sensornetzwerke, 3D-Dienste in Echtzeit und mobile standortbezogene Dienste mit den Hauptparadigmen des Future Internet – Internet der Dinge, Internet der Dienste und Internet der Menschen – verbinden. Spezielle Technologien – sowohl Ergebnisse früherer Forschungsarbeiten als auch neu entwickelte Geräte und Plattformen sowie spontan entwickelte Mash-ups – laufen zusammen, um ein „Living-Lab“-Umfeld zu schaffen, in dem gemeinsam Dienste der nächsten Generation für den Einzelnen und die Gemeinschaft entwickelt werden. Dabei werden die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten aus dem Labor heraus in das reale Umfeld der Nutzer gebracht.

Das ITAS-Team unter der Leitung von Krassimira Paskaleva-Shapira ist einer der drei zentralen, für Projektentwicklung und -implementierung verantwortlichen Partner des Konsortiums. ITAS leitet u. a. die Arbeiten im Bereich „Smart Citizen Communities“ („intelligente Bürgergemeinschaften“), Projektevaluierung, Technikfolgen, Politik und die Aktivitäten zu Verbreitung und Nutzung.

(Krassimira Paskaleva-Shapira, paskaleva∂kit.edu)

CONCERTO Premium

Die nachhaltige Energieversorung Europas im Bereich der Gebäudeerrichtung und -sanierung ist das Ziel der CONCERTO-Initiative. Sie wurde 2005 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und ist Teil des Forschungsrahmenprogramms „Directorate-General for Energy“. Aktuell arbeiten 58 Gemeinden in 22 Projekten daran, neue Stadtteile zu errichten oder bestehende Stadtteile umzugestalten. Dabei verfolgen sie das Ziel, einen höchstmöglichen Grad an Energieeffizienz umzusetzen und eine möglichst hohe Versorgung mit regenerativen Energien zu erreichen.

Seit November 2010 bearbeitet ITAS zusammen mit Partnern aus dem Steinbeis-Europa-Zentrum (Projektleitung), fünf weiteren Instituten des KIT, 58 Kommunen und einer Vielzahl von Forschungseinrichtungen in ganz Europa das Projekt „CONCERTO Premium“. Im November 2013 soll das Projekt abgeschlossen sein.

CONCERTO Premium ist ein wichtiger Teil dieser CONCERTO-Initiative. Das Projekt verbindet die verschiedenen Einzelvorhaben der Initiative und trägt zu einem Austausch unter den Projektpartnern sowie einer gemeinsamen Kommunikation der Ergebnisse nach außen bei. Dazu wird eine robuste Daten- und Informationsbasis bereitgestellt, die als Entscheidungsunterstützung von Investoren genutzt werden kann, um so die Anwendung von Klimaschutzmaßnahmen im städtischen Umfeld in Europa und den angrenzenden Staaten weiter zu verbreiten. Aufgabe von ITAS ist es, Empfehlungen an die Politik zu erarbeiten, wie bei der Sanierung von Stadtteilen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien eingesetzt werden können. Hierzu werden die jeweiligen politischen Rahmenbedingungen einer Maßnahme erfasst, ausgewertet und in politische Empfehlungen umgesetzt. Außerdem beteiligt sich ITAS an der Definition von Indikatoren zur Evaluation der einzelnen Vorhaben.

(Volker Stelzer, volker.stelzer∂kit.edu)

 

 

Neue Kolleginnen und Kollegen

Der Umweltingenieur Bálint Simon ist seit dem 15.4.2011 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im ITAS und arbeitet für das vom KIT betriebenen „Helmholtz-Institut Ulm für Elektrochemische Energiespeicherung“ (HIU). ITAS ist für die systemanalytischen Arbeiten am HIU verantwortlich; die Arbeiten von Bálint Simon konzentrieren sich auf die Analyse der Rohstoffverfügbarkeit von elektrochemischen Speichern sowie auf die ökonomische und ökologische Analyse von Batteriesystemen über den Lebenszyklus.

Rebecca Klady ist seit 1.4.2011 Doktorandin am ITAS und arbeitet zum Thema „Climate change and sustainable development in the Canadian Arctic“. Die gebürtige Kanadierin hat ein Stipendium des „Social Sciences and Humanities Research Council“ erhalten, einer kanadischen Bundesbehörde, die die Forschung und Ausbildung in den Geistes- und Sozialwissenschaften unterstützt.

 

 

Streitbarer Kollege und Mitinitiator des Arbeitsgebiets Stoffstromanalyse geht in den Ruhestand

Am 30. Juni 2011 ist Udo Jeske nach über 30 Berufsjahren in den Ruhestand gegangen. Nach dem Studium der Elektrotechnik und Promotion an der RWTH Aachen trat er 1978 in das damalige Kernforschungszentrum ein, aus dem der Großforschungsbereich des KIT entstanden ist. Bevor er zum ITAS kam, war er als „kritischer“ Geist an verschiedenen Studien zur Gesamtkonzeption von Kernfusionsreaktoren beteiligt gewesen und hatte leidenschaftlich um den Wahrheitsgehalt der angekündigten Versprechungen dieser nuklearen Stromerzeugungstechnik gestritten. Diese Arbeiten – gepaart mit den Ereignissen in Tschernobyl – ebneten den Weg, sich dauerhaft mit der systemanalytischen Begleitforschung in der Technikentwicklung am ITAS zu beschäftigen. Hierbei hatte Udo Jeske maßgeblichen Anteil am Aufbau des Arbeitsgebietes Stoffstromanalyse, in dem er sich spezifisch mit dem Anwendungsbereich „Bauen und Wohnen“ auseinandersetzte. Weitere Arbeiten zum PVC-Stoffstrom und dessen Recycling sowie die Umweltkennzeichnung von Bauprodukten folgten. Diese legten den Grundstein, um sowohl im Auftrag der Enquete-Kommission des 13. Deutschen Bundestages federführend die Studie „Stoffströme und Kosten in den Bereichen Bauen und Wohnen“ anzufertigen als auch Mitglied des in 2001 gegründeten Runden Tisches für nachhaltiges Bauen zur Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) für Regelungen des Bundes zu werden.

Einen großen Gewinn kann die Nachwelt aus seiner Leidenschaft zur Informationstechnik ziehen. Mit den sich daraus ergebenden neuen Möglichkeiten, komplexe Sachverhalte ins Bild zu setzen sowie ein System zur gemeinschaftlichen Erstellung, Bearbeitung und Organisation von Inhalten als Web-Portal aufzubauen, ließ sich vorhandenes Wissen für interessierte Kreise effizient und dauerhaft zur Verfügung stellen. Hieraus ist einerseits – in Zusammenarbeit mit dem Kollegen Rolf Möller – die Internet-Anwendung „BestChemie“ für die Chemikalienbuchführung mit Gefahrstoffkataster in Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Beitrag eines betrieblichen Stoffstrommanagementsystems entstanden. Andererseits ist mit dem Projekt WECOBIS, das maßgeblich mit Martina Klingele, dem Institut für angewandte Informatik (KIT/IAI) und der FH Augsburg zur strukturierten Bereitstellung von herstellerneutralen ökologischen Bauproduktinformationen entlang des Lebenszyklus aufgebaut wurde, eine große Entscheidungsunterstützung für die Planungsphase entstanden. Dabei ist WECOBIS Teil eines abgestimmten Systems der Planungs- und Bewertungshilfsmittel zur Quantifizierung des Beitrags von Bauwerken zur Nachhaltigkeit, das im BMVBS-Portal „Nachhaltiges Bauen“ eingebunden ist und vom ehemaligen Bundesbauminister auf der Messe „Bau 2009“ unter dem Schirm der Bayerischen Architektenkammer feierlich die Welt erblickte.

Abschließend sei auf die gemeinsamen letzten zehn Jahre verwiesen, die durch die systemanalytische Begleitung in der Verfahrens-, Material- und Produktentwicklung unter Anwendung des Instruments der Ökobilanzierung gekennzeichnet war. Aus diesen Arbeiten ist die Erkenntnis gereift, dass die methodische Einbettung der Produkt-Ökobilanz innerhalb der Stoffstromanalyse eines Wirtschaftsraumes, Klarheit über die umweltbezogenen Wechselwirkungen bringt. Außerdem hat Udo Jeske in dieser Zeit den Begriff der „techniknahen“ Systemanalyse geprägt, der seinen festen Platz in die HGF-Programmförderung I und II gefunden hat. Bewundernswert war bis zum Ende hin die Hingabe, sich neuen Herausforderungen wie z .B. der Exergieanalyse zu stellen und als Diskussionspartner viele wertvolle Hinweise und Anregungen zu liefern.

Jens Buchgeister

Ethische Fragen stellen sich in der Technikfolgenabschätzung allgegenwärtig und die Befassung mit Fallstudien zur Ethik kann in Forschung und Lehre einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung zentraler Argumentationen liefern. In der Schriftenreihe des Zentrums für Technik- und Wirtschaftsethik am KIT ist nun ein Sammelband erschienen, der 33 Fallstudien allgemeinverständlich darstellt und jeweils mit Fragen abschließt, die konkrete Anleitung für den schulischen oder universitären Ethikunterricht sein können. ITAS-Kolleginnen und Kollegen haben sich an diesem Buch mit folgenden Beiträgen beteiligt:  

Die bibliografischen Angaben lauten: Maring, M. (Hg.): Fallstudien zur Ethik in Wissenschaft, Wirtschaft, Technik und Gesellschaft. Karlsruhe: KIT Scientific Publishing 2011, 325 S., ISBN 978-3866-4460-83.