TAB-News

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Neue Themen für das TAB

Wie bereits in der Vergangenheit hat auch zu Beginn der 17. Legislaturperiode der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung eine neue Themenfindungsrunde bei allen Ausschüssen und Fraktionen des Bundestages initiiert. Bis Anfang April 2010 gingen 67 Projektideen ein, mehr als jemals zuvor. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat alle Vorschläge kommentiert, versucht, thematisch ähnliche Anfragen zu verbinden und unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie auch der eigenen Ressourcen den Berichterstattern für TA einen Gesamtvorschlag für eine mögliche Bearbeitung unterbreitet. In diesem Gesamtvorschlag wurden 36 Projektideen aufgegriffen und zu 12 + 6 Projektvorschlägen zusammengeführt. Die erarbeiteten Projektskizzen werden gegenwärtig inhaltlich diskutiert; voraussichtlich wird im Juni 2010 über die Beauftragung endgültig entschieden. Die 12 Projekte der ersten Staffel werden im TAB-Brief Nr. 37 kurz vorgestellt.

 

 

Diesjährige Treffen im EPTA-Netzwerk

Innerhalb des Netzwerks der Europäischen Parlamentarischen Technikfolgenabschätzung gibt es auf unterschiedlichen Akteursebenen regelmäßig folgende Treffen:

Der Vorsitz des Netzwerks wechselt jährlich unter den EPTA-Partnern. Bis auf das Practitioner’s Meeting finden alle Treffen in dem Land statt, das den Vorsitz innehat. In diesem Jahr fand das Frühjahrstreffen der Direktoren in Kopenhagen und das EPTA Practionier’s Meeting in Berlin statt.

Frühjahrstreffen der Direktoren in Kopenhagen

Das diesjährige Director’s Meeting fand Mitte Mai in Kopenhagen auf Einladung des Danish Board of Technology (DBT) statt.

Ein Arbeitsbereich ist die Pflege der seit Jahren anwachsenden Projektdatenbank auf der Webseite des Netzwerks (http://www.eptanetwork.org). Auf die in ihrer Art einzigartige internationale Datenbank zu laufenden und abgeschlossenen TA-Projekten wird kontinuierlich mehr zugegriffen. Die intensive Nutzung kann als Beleg für das Interesse und den Bedarf gewertet werden. Eine kleine Arbeitsgruppe wird die vergleichsweise schwache Darstellung der wachsenden TA-Community in der englischen Version der Internetenzyklopädie Wikipedia demnächst überarbeiten.

Zwei neue Projekte, die sich mit der TA-Landschaft in Europa befassen, wurden vorgestellt und intensiv diskutiert:

Erfreuliche Neuigkeiten gab es aus dem „Mutterland der TA“, den USA. Gäste vom Loka Institute in Amherst und vom U.S. Government Accountability Office (GAO) nahmen am diesjährigen EPTA-Direktorentreffen teil. Vom Loka Institute wurde über ein in der Entstehung begriffenes Netzwerk von TA-Institutionen in den Vereinigten Staaten berichtet. Das GAO knüpft – wenn auch nicht vom Umfang, so doch dem Geiste nach – an die Arbeiten des Office of Technology Assessment (OTA) des amerikanischen Kongresses an, das in den 1990er Jahren geschlossenen wurde. Die Tatsache, somit auch in den USA wieder einen kompetenten Ansprechpartner für TA zu haben, wurde von den EPTA-Einrichtungen begrüßt, über eine assoziierte Mitgliedschaft des GAO im EPTA-Netzwerk soll beim Council Meeting im Herbst entschieden werden.

Neben den Berichten aus den Mitgliedsorganisationen gehört zur Routine des Director’s Meeting auch immer die Klärung der nächsten EPTA-Präsidentschaft. Die entsprechende deutsche Bewerbung wurde allgemein begrüßt. Wenn der EPTA-Council dies im November offiziell bestätigt, wird das TAB im Jahre 2011 zum zweiten Mal nach 2000 die EPTA-Präsidentschaft übernehmen.

Das Director’s Meeting klang wie gewohnt mit Besuchen nationaler FuE-Einrichtungen aus. Auf dem Programm stand ein Besuch des Risoe National Laboratory for Sustainable Energy sowie einer Anlage zur Gewinnung von Ethanol aus Biomasse. Ein (kleines) Stück der Anreise zu Risoe musste von den Teilnehmern rudernd im Nachbau eines Wikingerschiffs zurückgelegt werden. Dabei konnten zwar keinerlei Rekorde im Hochgeschwindigkeitsrudern mit Wikingerbooten gebrochen werden, einmal mehr aber zeigte sich der gute „Team Spirit“ des Netzwerks.

TAB als Ausrichter des EPTA Practitioner’s Meeting 2010

Unabhängig vom jeweiligen Vorsitz wird das zweijährlich stattfindende Practitioner’s Meeting von einem der EPTA-Partnerinstitute organisiert. Vor dem Hintergrund seines 20-jährigen Jubiläums hat das TAB die Organisation des Treffens für 2010 übernommen. Das Meeting fand Anfang Mai in Berlin statt. Die knapp 40 Teilnehmer kamen aus insgesamt elf Ländern bzw. Partnerorganisationen. Wie bei den vorhergehenden Meetings trafen sich langjährige Mitarbeiter und Neulinge des EPTA-Netzwerks zu einem intensiven Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Erstmalig dabei war eine Mitarbeiterin des neuen katalanischen Partnerinstituts sowie als Gast ein Mitarbeiter des U.S. Government Accountability Office (GAO). Vorstellungsrunden, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Partner betonten, parallele Gruppenarbeit an einer fiktiven Projektskizze sowie deren Präsentation und Diskussion, Best-Practice-Beispiele des niederländischen Rathenau Instituts (Use of residual tissue in the Netherlands), der TA-Swiss (Citizens dialogue on internet of the future) sowie des flämischen IST (ICT festival) wie auch Erfahrungen aus EPTA-Projekten (ICT and Privacy, GMO Plants and Food, World Wide Views, CIVISTI) bildeten die Programmschwerpunkte. Das Resümee aus den inzwischen abgeschlossenen EPTA-Projekten mit ihren den jeweiligen Stärken und Schwächen ist ein wichtiger Erfahrungswert, der einfließen sollte in die Planung zukünftiger internationaler TA-Projektvorschläge. Es wird deshalb auch der Leitungsebene des EPTA-Netzwerks übermittelt.

Gerahmt wurde dieser in die Zukunft gerichtete intensive fachliche Erfahrungsaustausch durch eine rückblickende Auseinandersetzung mit dem gesellschaftsstrukturellen Ursachengeflecht in Deutschland, welches den Nährboden bildete für die folgenschwere politische Entscheidung 1942 im Haus der Wannseekonferenz. Die Teilnehmer des Practitioner’s Meeting nutzten für ihre Fahrt keine Wikingerboote, sondern setzten mit vergleichsweise bescheidenen, aber vollständig muskelkraftbetriebenen Drachenbooten über. Auch hier wurde der ausgeprägte Teamgeist sichtbar und konnte aktiv ausgelebt werden.

In der Summe lieferte auch dieses Praktikertreffen einen Beitrag zu einem tieferen Verständnis der unterschiedlichen nationalen Ansätze europäischer parlamentarische TA. Das nächste EPTA Practitioner’s Meeting wird 2012 voraussichtlich in Dänemark stattfinden.

 

 

Ankündigung „Euroscience Open Forum“ vom 2. bis 7. Juli in Turin

Das Euroscience Open Forum (ESOF) ist eine zweijährlich stattfindende große Wissenschaftsmesse sowie ein Informations- und Diskussionsforum für Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie der interessierten Öffentlichkeit mit regelmäßig mehreren Tausend Teilnehmern. In Europa gilt sie als größte Publikumsveranstaltung zu Themen aktueller wissenschaftlich-technischer Entwicklung. Austragungsort wird, nach Stockholm (2004), München (2006) und Barcelona (2008), in diesem Jahr Turin sein.

Wie schon vor zwei Jahren werden die meisten EPTA-Einrichtungen – auch das TAB – zu der Session mit dem Thema „Inspiring future policies: how technology assessors can best stimulate the political debate“ im Rahmen des wissenschaftlichen Programms aktiv beitragen. Diese gut zweistündige Diskussionsrunde wird von STOA, dem TA-Beratungsgremium des Europäischen Parlaments, organisiert und geleitet. Die diesbezügliche Feinplanung wurde beim EPTA Director’s Meeting in Kopenhagen diskutiert, und das Programm wurde verabschiedet. Erfreulich ist insbesondere, dass eine ganze Reihe von Parlamentariern aus den Mitgliedsländern ihre Teilnahme an der Veranstaltung zugesagt hat.

 

 

Neue Mitarbeiter beim TAB

Dr. Claudio Caviezel ist seit April 2010 neuer Mitarbeiter des TAB. Aufgewachsen ist Herr Caviezel in der Schweiz. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich hat er Physik studiert. Anschließend hat er am Max-Planck-Institut für Physik in München an den Grundlagen der Teilchenphysik und Kosmologie geforscht und auf dem Gebiet der theoretischen Hochenergiephysik promoviert. Nach dieser sehr theoretischen Arbeit freut sich Claudio Caviezel darauf, sein physikalisches und technisches Wissen im TAB praxisorientierter und vielschichtiger anzuwenden. Er wird sich schwerpunktmäßig mit den Themen Energie, Ressourcen und Umwelt beschäftigen. Die Verstärkung für das TAB-Team kommt zur richtigen Zeit, werden doch vom Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung voraussichtlich mehrere neue TAB-Projekte in diesem Themenbereich zur Bearbeitung beschlossen. Sein Einstieg beim TAB ist die Mitarbeit an der laufenden TA-Studie „Technische Optionen zum Management des CO2-Kreislaufs“.

Seit Juni 2010 verstärkt Johanna Kniehase das Sekretariatsteam des TAB. Zu ihren Aufgaben gehören die Unterstützung des Sekretariats im Kommunikations- und Organisationsmanagement, die Bearbeitung von TAB-Arbeitsberichten und die Pflege und Aktualisierung der Webseiten des TAB mit den dazugehörenden Datenbanken. Sie wird Aufgaben von Gaby Rastätter übernehmen, die nach elf verdienstvollen Jahren im TAB – zuerst in Bonn und dann in Berlin – im August 2010 zum ITAS nach Karlsruhe zurückkehren wird.

 

 

TAB-Berichte im Bundestag

Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 128 „Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern – Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven“ wurde im März 2010 abschließend beraten und zur Kenntnis genommen. Auch der Bericht Nr. 132 „Biomedizinische Innovation und klinische Forschung – Wettbewerbs- und Regulierungsfragen“ wurde mit Kenntnisnahme im März 2010 abgeschlossen. Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 133 „Blockaden bei der Etablierung neuer Schlüsseltechnologien“ wurde vom federführenden Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung am 5. Mai 2010 ohne Präsentation abgenommen. Die Veröffentlichung als Bundestagsdrucksache ist vorgesehen.

Auf Initiative des Ausschusses für Arbeit und Soziales wurde 2006 das TA-Projekt „Chancen und Perspektiven behinderungskompensierender Technologien am Arbeitsplatz“ initiiert. Nachdem es 2009 mit dem TAB-Arbeitsbericht Nr. 129 abgeschlossen wurde, hat die Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der Bundestagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN das TAB-Projektteam am 17. Mai 2010 eingeladen, um Optionen für ihre weitere politische Befassung zu diskutieren. 2011 – zehn Jahre nach Einführung des Neunten Sozialgesetzbuches, mit dem ein behindertenpolitischer Paradigmenwechsel vollzogen werden sollte ‑ wird eine umfangreiche Evaluation der politischen Maßnahmen erwartet. Der TAB-Bericht mit seiner Situationsbeschreibung, den sich ergebenden Schlussfolgerungen und möglichen Handlungsoptionen liefert eine gute Grundlage für die sich abzeichnende politische Befassung mit der Thematik. Es ist ein gelungenes Beispiel für eine gute zeitliche Abstimmung von wissenschaftlicher Analyse und politischer Überarbeitung.

 

 

Ausgewählte TAB-Berichte jetzt auch in englischer Übersetzung

Um die internationale Sichtbarkeit der parlamentarischen Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag zu erhöhen, werden zukünftig, auf Anregung der Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Ulla Burchardt, ausgewählte Berichte des TAB auch in englischer Übersetzung publiziert.

Das TAB legt die ersten drei englischsprachigen Titel vor, die Themen umfassen, für die auch im Ausland ein besonderes Interesse erwartet werden kann. Es handelt sich dabei um

Die Bücher können von der Website des TAB heruntergeladen werden. Ein Bezug gedruckter Exemplare über den Buchhandel ist momentan noch nicht möglich.

 

 

Neue Veröffentlichungen

TAB-Arbeitsbericht Nr. 133: „Blockaden bei der Etablierung neuer Schlüsseltechnologien“ (Juli 2009; Autoren: Axel Thielmann, Ann Zimmermann, Stephan Gauch, Michael Nusser, Juliane Hartig, Sven Wydra, Clemens Blümel, Knud Blind)
Im globalen Wettbewerb um die weltweiten Märkte ist es für die exportorientierte Volkswirtschaft Deutschlands von elementarer Bedeutung, Ergebnisse von Forschung und Entwicklung sowie innovative Ideen rasch zur Anwendung zu bringen. Auch ist eine schnelle Diffusion und Etablierung konkreter Produkte und Verfahren im Markt gegen oftmals starke Konkurrenz erforderlich. Welche Faktoren aber entscheiden über den Erfolg im Innovationswettbewerb? Und welche Möglichkeiten bestehen für Forschungs-, Bildungs- und Innovationspolitik, Blockaden zu beseitigen und günstige Rahmenbedingungen zu schaffen?
Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 133 untersucht, welche fördernden und hemmenden Faktoren in Deutschland über die Umsetzung von Schlüsseltechnologien, die Schaffung deutscher Vorreitermärkte und damit über nachhaltige Exporterfolge entscheiden. Der Untersuchungsauftrag wurde durch den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung dahingehend konkretisiert, anhand dreier Fallstudien – Nanoelektronik als Querschnittstechnologie, Windenergie als Anwendungstechnologie, MP3-Player und Mini-Beamer als Anwendungen – spezifische und übergreifende Faktoren und damit Ansatzpunkte für die politische Gestaltung des deutschen Innovationssystems zu identifizieren.
Der unter der Federführung des Fraunhofer ISI erarbeitete TAB-Innovationsreport zeigt auf, welche Blockaden auf den unterschiedlichen Ebenen Kosten, Wissen, Markt und Institutionen über die verschiedenen Phasen des Innovationsprozesses hinweg von besonderer Relevanz waren bzw. sind. Zudem werden aus der Perspektive einer systemischen Innovationspolitik übergreifende Handlungsoptionen herausgearbeitet.
Die Zusammenfassung des TAB-Arbeitsberichts Nr. 133 ist unter http://www.tab-beim-bundestag.de/de/publikationen/berichte/ab133.html abrufbar. Das Druckexemplar des TAB-Arbeitsberichts Nr. 133 kann beim TAB-Sekretariat (E-Mail: buero∂tab-beim-bundestag.de; Fax: 030 / 28491-119) angefordert werden.

Michael Friedewald, Oliver Raabe, Daniel J. Koch, Peter Georgieff, Peter Neuhäusler: Ubiquitäres Computing. Das „Internet der Dinge“ – Grundlagen, Anwendungen, Folgen. Berlin: edition sigma 2010, Bd. 31, ISBN 9783836081313, 300 S., € 27,90
Als neuer Band in der Reihe „Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag“ bei der edition sigma ist das Buch „Ubiquitäres Computing. Das ‚Internet der Dinge’ – Grundlagen, Anwendungen, Folgen“ erschienen. Ubiquitäres Computing, die komplexe elektronische Vernetzung von Dingen, die kommunizieren, gilt weltweit als ein erfolgversprechender Innovationspfad. Intensive FuE-Aktivitäten und politische Strategien gelten dem Ziel, praxistaugliche Technologien und Anwendungen zu befördern. Wo stehen wir augenblicklich auf dem Weg zum „Internet der Dinge“? Welche praktischen Projekte zeigen bereits jetzt das Potenzial auf, das mit der Umsetzung der Grundidee des Ubiquitären Computings ausgeschöpft werden kann? Welche technischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen müssen dazu bewältigt werden und worin kann der Beitrag der Politik bestehen? Die Autoren analysieren im Lichte dieser Fragen den Status quo und die Perspektiven des Ubiquitären Computings und illustrieren ihre Befunde an Beispielen u. a. aus Handel, Logistik und Gesundheitswesen. Die faszinierende „Heinzelmännchentechnologie“ des Ubiquitären Computings muss allerdings von den Beteiligten in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik noch umfassend fit gemacht werden, sollen ihre Anwendungen tatsächlich wirtschaftlich attraktiv, sozial verträglich sowie hilfreich bei der Bewältigung gesellschaftlicher Probleme werden.
Die Buchpublikation basiert auf dem TAB-Arbeitsbericht Nr. 131: „Ubiquitäres Computing“ (Mai 2009). Die Zusammenfassung des Berichts ist unter http://tab-beim-bundestag.de/de/publikationen/berichte/ab131.html verfügbar.