Die Zukunft lädt zur Zusammenkunft. Bericht von der EPTA-Konferenz "Images of the Future" (London, 2.-3. November 2009)

Tagungsberichte

Die Zukunft lädt zur Zusammenkunft

Bericht von der EPTA-Konferenz „Images of the Future“
London, 2.–3. November 2009

von Reinhard Grünwald, ITAS / TAB

„Images of the Future“ war das Motto der diesjährigen EPTA-Konferenz, die am 2. und 3. November im Houses of Parliament in London stattfand. EPTA ist das Netzwerk der europäischen Einrichtungen für Technikfolgenabschätzung für die jeweiligen Parlamente (European Parliamentary Technology Assessment). Mit dieser Veranstaltung feierte das britische „Parliamentary Office of Science and Technology“ (POST) als eine der ältesten parlamentarischen TA-Einrichtungen Europas sein zwanzigjähriges Bestehen.

Der Vorsitzender des POST-Boards, Ashok Kumar, eröffnete die Konferenz mit seiner Willkommensadresse an die etwa 150 Teilnehmer. Im Anschluss hielt der Doyen der amerikanischen Zukunftsforschung, Jim Dator (Hawaii Research Centre for Futures Studies) den Keynote-Vortrag. Eine zunächst belächelte, dann aber zum Nachdenken anregende Kernaussage war: „Any useful idea about the future should appear to be ridiculous.”

Brian Brader stellte die Arbeiten des „UK Government Office for Science’s Horizon Scanning“ und ihre Bedeutung bei der Strategieentwicklung in der britischen Regierung vor. Eine hervorragende Gelegenheit für den transatlantischen Gedankenaustausch war die Anwesenheit des Vorsitzenden des Ausschusses für Forschung und Technologie des US-Repräsentantenhauses, Bart Gordon, der in seiner Dinneransprache die Bedeutung des technologischen Fortschritts für die Gesellschaft betonte und die damit verbundenen Herausforderungen für eine der Zukunft zugewandten Politik hervorhob.

Der Folgetag wurde eröffnet durch einen bunten Strauß von Präsentationen aus dem Kreise der EPTA-Institutionen. Claude Birraux (OPECST, Frankreich) sprach zum Thema „How to Deal with the Future“, Robby Berloznik (IST, vormals viWTA, Flandern) stellte ein Szenario „The Flemish Energy System in 2050“ vor. Tore Tennoe (NBT, Norwegen) beleuchtete „Scenarios for the Ageing Society“. Lars Klüver (DBT, Dänemark) berichtete über das CIVISTI Projekt („Citizen Visions on Science, Technology and Innovation“), Jyrki Kasvi (Committee for the Future, Finnland) ließ einige aktuelle Aktivitäten des „Committee for the Future“ Revue passieren. Last but not least trug Christopher Coenen (ITAS) über „Human Enhancement“ vor.

Dass auch andernorts über Zukunft und Technik nachgedacht wird, demonstrierte eindrucksvoll Jong-Kul Lee, der Vorsitzende des Ausschusses für Forschung und Technologie des Koreanischen Parlaments. Timothy Persons, Chief Scientist des United States Government Accountability Office (GAO), legte anhand zahlreicher Beispiele dar, wie das GAO in den letzten Jahren zunehmend in die Rolle einer TA-Institution hineingewachsen sei. Manch einer fragte sich danach, ob nicht das legendäre OTA in Gestalt des GAO bereits einen würdigen Nachfolger gefunden haben könnte.

Eine künstlerische Note bekam die Konferenz durch zwei eher experimentelle Programmpunkte: Es wurde ein Science-Fiction-Film aus dem Jahre 1936 („Things to Come“, Drehbuch geschrieben von H.G. Wells) gezeigt. Anschließend hielt Sian Ede (Gulbenkian Foundation) einen reich bebilderten Vortrag „Science Images in Art as Pointers to the Future“ über die Rolle der Kunst als Mittler der Zukunft. Den Abschluss der Konferenz bildete ein Seminar zum Thema „Science, Parliaments and Africa“.

Am Vortag fand die jährliche Sitzung des EPTA-Councils statt. Hier diskutierten und entschieden die Direktoren, Parlamentarier und Mitglieder der Steuerungsgremien der EPTA-Partnerinstitute über wichtige organisatorische Fragen der Kooperation im Netzwerk. Ein Highlight war, dass die innerhalb des Wissenschaftlichen Dienstes des Schwedischen Parlaments kürzlich formierte „Parliamentary Evaluation and Research Unit“ einhellig als vierzehntes Vollmitglied von EPTA begrüßt werden konnte. Die katalanische Delegation, angeführt vom Parlamentspräsidenten, unterrichtete den Council von der Neugründung des „Advisory Board of the Parliament of Catalonia for Science and Technology (CAPCIT)“, das ab sofort Katalonien in EPTA vertreten wird. Des Weiteren wurde verabredet, auf dem EuroScience Open Forum (ESOF), das nächstes Jahr vom 2. bis 7. Juli in Turin stattfinden wird, mit der Organisation einer „Scientific Session“ Präsenz zu zeigen. Die nächste EPTA-Konferenz wird 2010 in Kopenhagen stattfinden, da Dänemark turnusgemäß die Präsidentschaft des EPTA-Netzwerks übernimmt.