Netzwerk TA

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Jahrestreffen 2007
Hirnforschung im Spiegel der TA

Am 5. Juni 2007 fand das Jahrestreffen des Netzwerks TA mit über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Wien statt, das sich thematisch mit der Hirnforschung beschäftigte und über des Konzept der dritten Konferenz des Netzwerks NTA3 diskutierte, die vom 4. - 6. Juni 2008 an der österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien stattfinden wird.

Dem Thema Hirnforschung widmete sich die Tagung anhand zweier Vorträge. Der erste Vortrag thematisierte die Verwendungsmöglichkeiten bildgebender Verfahren in der Hirnforschung, der zweite die Bedeutung neuer chirurgischer Interventionsmöglichkeiten unter ethischen Gesichtspunkten.

Martin Meyer vom Institut für Neuroradiologie des Universitätsspitals in Zürich sprach über „Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der Verwendung bildgebender Verfahren in der Kognitions- und Hirnforschung“. In seinem Vortrag wies er sowohl auf die revolutionäre Möglichkeit hin, mit diesen Verfahren einen Blick „auf das Gehirn in Aktion“ werfen zu können und die mit diesen Möglichkeiten verbundenen Chancen insbesondere im Bereich der Lernforschung oder auch der prä-chirurgischen Diagnose. Andererseits zeigte er auf, dass die mit diesen Verfahren verbundenen Erwartungen beispielsweise in der Psychiatrie oder gar der Marktforschung wenn nicht falsch, so doch überzogen waren. Insofern sieht er in der im langjährigen Verlauf zunächst stetig ansteigenden und nun in den letzten beiden Jahren stagnierenden Zahlen der wissenschaftlichen Publikationen auf diesem Gebiet eine korrigierende Tendenz hin zu qualitativ höherwertigen Publikationen. Darüber hinaus stellte der Referent auch die Probleme, die mit diesen Verfahren verbunden sind, ausführlich dar. Diese sind technisch insbesondere bei der Magnet-Resonanz- Tomographie in der langsamen zeitlichen Auflösung und in einem schlechten Signal-zu- Rausch-Verhältnis zu sehen. Damit sind für den Patienten vergleichsweise lange Untersuchungszeiten (von etwa einer Stunde) verbunden, in denen er möglichst regungslos in einer sehr engen Röhre verharren muss und zudem einem Dauerlärm von 120 dB durch die Apparatur ausgesetzt ist. Die hohe Kooperation, die seitens der Patienten in diesem Untersuchungsprozess gefordert wird, stellt andererseits eine sehr enge Grenze dar, wenn man über mögliche Manipulationszenarien des Gehirns „von außen“ nachdenkt.

Torsten Galert von der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich- technischer Entwicklungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler berichtete von dem TAProjekt „Eingriffe in die Psyche. Neue Interventionsmöglichkeiten als gesellschaftliche Herausforderung“, das Ende 2006 abgeschlossen wurde. Unter dem Vortragstitel „Neuroethik und personale Identität“ stellte er sowohl die philosophischen Fragestellungen ethischer und auch wissenschaftstheoretischer Art dar, die z. B. Veränderungen der Persönlichkeit von Patienten betreffen, als auch den in diesen Zusammenhängen relevanten Personenbegriff. Grundsätzlich geht es hier darum, dass ein Mensch nach einem Eingriff nicht mehr dieselbe Person ist, die er oder sie vorher war. Vor diesem Hintergrund stellte der Referent mehrere Handlungsempfehlungen vor. Beispielsweise lautete eine, dass vor dem Eingriff in jedem Falle die Zustimmung des Patienten einzuholen sei, da eine nachträgliche „Zufriedenheit“ schwer zu bewerten ist. Des weiteren unterstrich er, dass im Zusammenhang mit einer „Verbesserung“ der Gehirnleistung weniger an eine Erweiterung durch technische Artefakte gedacht wird, da ein solcher Eingriff zu risikoreich wäre, als vielmehr an eine Leistungssteigerung durch Psychopharmaka. Hier bestünden Anschlussmöglichkeiten zu bereits existierenden medizin-ethischen Debatten.

Im Berichtsteil des Jahrestreffens wurden zunächst die Vorbereitungen zur NTA 3 besprochen, die im Juni 2008 in Wien gemeinsam mit der TA’08 durchgeführt werden wird. Michael Latzer vom ITA Wien stellte ein von Georg Aicholzer und ihm selbst entwickeltes Konzept für diese Tagung zur Diskussion, das den Titel „Technology Governance – Technikfolgenabschätzung zwischen Steuerungsanspruch und NETZWERK TA Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 2, 16. Jg., Juni 2007 Seite 141 Steuerungswirklichkeit“ hatte. In der Diskussion wurde hervorgehoben, dass mit den NTAKonferenzen ja sowohl der Anspruch einer wissenschaftlichen Tagung verbunden sei als auch das Ziel verfolgt werde, die TA-Community zu versammeln. Es wurde die Befürchtung geäußert, mit diesem Thema für die „technisch orientierte TA-Fraktion“ wenig Anknüpfungspunkte zu bieten. Des Weiteren wurde empfohlen, im Untertitel weniger auf den Steuerungsbegriff sondern eher auf Gestaltung abzuheben, da der Steuerungsprozess mit entsprechenden Konnotationen verbunden sei, derer man sich bewusst sein müsse. Die Diskussionsbeiträge werden nun in der Abstimmung des Koordinationsteams zur NTA3 berücksichtigt. Die Ankündigung der NTA3 sowie die Einladung zur Beteiligung am Call for papers wird rechtzeitig über die Email-Liste versandt. Es ist geplant, erstmals auch Vorschläge ganzer Panels in die Ausschreibung aufzunehmen.

Der Bericht aus dem Koordinationsteam beschränkte sich aufgrund des engen Zeitplans auf den Hinweis, dass beim deutschen BMBF ein Antrag für ein Projekt angebahnt wurde, das den Doktoranden und Doktorandinnen, die zur Technikfolgenabschätzung forschen, ein transdisziplinäres Diskussionsforum bieten soll. Das Projekt ist für eine Dauer von drei Jahren geplant und hat die Teilnahme an den NTAKonferenzen in seinem Ablaufplan verankert. Damit soll das Kennen lernen der TA-Community ermöglicht werden. Stephan Bröchler berichtete anschließend von der Gründungsversammlung des Netzwerks der Zukunftsforscher, welche im Mai in Salzburg stattgefunden hatte.

Es folgten aktuelle Berichte aus den Arbeitsgruppen des Netzwerks. Die „AG Governance“ berichtete, dass sie in Anbetracht des avisierten Themas der NTA3 auf einen für Dezember 2007 geplanten Workshop verzichten werde. Dafür möchte sie sich bei der NTA3 beteiligen, ggf. auch mit einem eigenen Panel. Die „AGIuK“ berichtete, dass auf der Website des NTA (http://www.netzwerk-ta.net) ein Service eingereichtet wurde, der das Auffinden von TArelevanten Neuerscheinungen ermögliche. Dieser Dienst wurde allgemein begrüßt. Die AGIuK bittet um „Nutzer-Berichte“.

(Michael Decker)

Das Netzwerk TA

Das „Netzwerk TA“ wurde im Jahre 2004 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Wis-senschaftlern, Experten und Praktikern im breit verstandenen Themenfeld TA. Dieser Kreis setzt sich zusammen aus den (teils überlappenden) Bereichen Technikfolgenabschätzung, Praktische Ethik, Systemanalyse, Risikoforschung, Technikgestaltung für nachhaltige Entwicklung, Innovations-, Institutionen- und Tech-nikanalyse, Innovations- und Zukunftsforschung und den dabei involvierten wissenschaftlichen Disziplinen aus Natur-, Technik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, den Politik- und Rechtswissenschaften sowie der Philo-sophie. Die Mitglieder des Netzwerks vertreten die verschiedenen Ausprägungen der TA und decken das weite Spektrum zwischen Theorie und Praxis, zwischen Forschung und Beratung sowie zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen ab. Sie verstehen die dadurch entstehende Vielfalt als Chance, themenbezogen Kompetenzen und Erfahrungen zu bündeln und auf diese Weise zu einer optimalen Nutzung der Ressour-cen beizutragen (http://www.netzwerk-ta.net).

Kontakt

Ansprechpartner für das Koordinationsteam:
PD Dr. Michael Decker
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640, 76021 Karlsruhe
Tel.: +49 721 608-23007 oder -2501 (Sekr.)
E-Mail: NetzwerkTAZdw3∂itas fzk de

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Online über das Anmeldeformular unter der Web-Adresse http://www.netzwerk-ta.net