Bridge to a Sustainable Future - The U.S. National Environmental Technology Strategy

Schwerpunktthema: Nachhaltige Entwicklung - nationale Pläne und Strategien

Bridge to a Sustainable Future - The U.S. National Environmental Technology Strategy

von Reinhard Coenen, ITAS

Im April 1995 haben U.S.-Präsident Bill Clinton und Vizepräsident Al Gore unter dem Titel "Bridge to a Sustainable Future" die "National Environmental Technology Strategy" vorgelegt. Sie stellt weniger einen konkreten Aktionsplan dar, sondern mehr eine Vision, wie die Vereinigten Staaten in den nächsten 25 Jahren auf einen Pfad in eine zukunftsfähige Entwicklung einschwenken können und welche Rolle der Staat und die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen bei der Realisierung einer solchen Vision spielen könnten und sollten.

Im Juli 1994 hatte der National Science and Technology Council (NSTC) - ein Gremium, das unter dem Vorsitz des Präsidenten der USA auf Kabinett-Ebene die Wissenschafts-, Weltraum- und Technologiepolitik koordiniert - den Bericht "Technology for a Sustainable Future - A Framework for Action" vorgelegt.

In diesem Bericht waren mögliche Strategien, gegenwärtige Initiativen und mögliche nächste Schritte der Bundesregierung beschrieben worden, wie der umwelttechnologische Fortschritt in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung gefördert werden kann. Dabei standen zwei Zielsetzungen im Vordergrund, erstens den Einsatz fortgeschrittener Umwelttechnologien im eigenen Land zu fördern und zweitens mit solchen Technologien neue Exportmärkte für diese Technologien zu erschließen.

Im Vorwort des Präsidenten Clinton und des Vizepräsidenten Gore zu diesem Bericht wird deutlich, daß die US-Regierung im umwelttechnischen Fortschritt das zentrale Mittel sieht, eine nachhaltige Entwicklung einzuleiten. Es heißt dort: "Attaining sustainable development is one of the greatest challenges facing our country and the global community - a challenge that can only be met by developing and deploying technologies that will protect the environment, while sustaining economic growth."

Der Bericht wurde in der Folge Basis eines eingehenden Diskussionsprozesses, in den der Kongreß, die Bundesstaaten, die Gemeinden, die Industrie, die Wissenschaft, Nicht-Regierungsorganisationen und interessierte Bürger einbezogen wurden. Hierzu veranstaltete der NSTC technische Workshops, Symposien und eine White House Conference. So wurden in ca. 30 Veranstaltungen mehr als 10.000 Personen in diesen Dialog eingebunden.

Dieser Dialog führte zu dem im April 1995 vorgelegten Bericht "Bridge to a Sustainable Future - The National Environmental Technology Strategy".

Im Rahmen des beschriebenen nationalen Dialogs wurden fünf Aktionsbereiche identifiziert, die als zentral angesehen werden, um einen neuen Pfad einzuschlagen, der zu langfristigem wirtschaftlichem Wachstum und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führt und gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung der Umwelt gewährleistet. Diese fünf Aktionsbereiche werden durch folgende Stichworte akzentuiert:

- Performance, Flexibility, and Accountability

- Innovation for Environmental Results

- Commercialization

- Sustainable Communities

- Learning and Working Together.

Zur Verbesserung von Performance, Flexibility and Accountability wird die Entwicklung einer neuen Generation anreiz-basierter Politiken und Programme für notwendig erachtet, die die Entwicklung und Anwendung fortgeschrittener Umwelttechnologien fördern können. Mit solchen Programmen soll in der Umwelttechnik ein Paradigmenwechsel von der nachsorgenden und additiven Technik zu einer integrierten ressourcenschonenden Technik herbeigeführt werden, die ganzheitliche, multimediale und multisektorale Lösungen begünstigt. Als wesentliche Voraussetzung für einen solchen Richtungs- bzw. Paradigmenwechsel werden die Flexibilisierung der umwelttechnischen Regulierung, das Setzen ökonomischer Anreize innerhalb des Regulierungssystems, eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren und der Abbau von Marktbarrieren gesehen.

Mit dem Aktionsbereich Innovation for Environmental Results wird die Forschungs- und Technologieförderung angesprochen. Sie soll so ausgerichtet werden, daß sie den Paradigmenwechsel von einer nachsorgenden und additiven Umwelttechnik zu einer Technik unterstützt, die auf Vermeidung ausgerichtet ist und zu einer höheren umwelttechnischen Effizienz in den verschiedenen wirtschaftlichen Sektoren (Energieerzeugung, Nahrungsmittelerzeugung, industrielle Produktion, Verkehrssektor, Bauwesen und Dienstleistungssektor) durch geringeren Einsatz von Energien, Materialien und anderen Inputs führt. Dies soll durch neue Prioritätensetzungen in der Umweltforschung und -technikförderung erreicht werden, die zusammen mit dem Privatsektor, den staatlichen und kommunalen Regierungen entwickelt werden sollen. Besondere Bedeutung soll dabei der Förderung der Demonstration neuer erfolgversprechender Umwelttechnologien zukommen.

Der Aktionsbereich "Commercialization" umfaßt verschiedene ergänzende Maßnahmen, die die Einführung und Diffusion neuer fortschrittlicher Umwelttechnologien fördern sollen. Hierzu zählen die Verbesserung der Information über "pre-commercial environmental technologies", die Bereitstellung von ausreichendem Kapital für die Einführung neuer Umwelttechnologien, die mit größeren ökonomischen Risiken verbunden sind (Wagnis-Kapital), insbesondere auch die Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen, die Exportförderung von Umwelttechnologien, die Förderung der Anwendung fortschrittlicher Umwelttechnologien in Entwicklungsländern, die gegenwärtig durch unzureichende Infrastrukturen, institutionelle und personelle Kapazitäten und umweltpolitische Regulierungen behindert wird. Letzteres soll insbesondere durch eine stärkere Berücksichtigung von Umweltherausforderungen in den Programmen der Entwicklungshilfe erreicht werden.

Im Aktionsbereich "Sustainable Communities" sollen neue Generationen von effizienteren und stärker integrierten Infrastrukturen für kommunale Energieversorgungs-, Verkehrs-, Wasserversorgungs- und -entsorgungs- und Kommunikationssysteme gefördert werden mit dem Ziel, nachhaltige kommunale Strukturen innerhalb der nächsten 25 Jahre zu erreichen.

Der Aktionsbereich "Learning and working together" umfaßt Maßnahmen zur Verbesserung des Informationsaustausch zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren mit dem Ziel, die Diffusion von neuen Umwelttechnologien zu fördern, u.a. durch ein Information Clearing House für Umwelttechnologien beim Federal Interagency Environmental Technology Office. Darüber hinaus sollen auf allen Ebenen der Aus- und Fortbildung Umwelterziehung und -ausbildung integriert werden.

Einen breiten Raum im Bericht nimmt die Darstellung des Weges zu einer nachhaltigen Entwicklung ein. Es beginnt mit einem Rückblick auf die Entwicklung von Earth Day 1970 bis zum Earth Day 1995, der durch einen nachsorgenden Ansatz gekennzeichnet war, aber durch den Einsatz additiver Techniken zu nicht unbeträchtlichen Erfolgen bei der Bekämpfung von Umweltproblemen geführt hat. Die umwelttechnologische Entwicklung während dieser Phase hat aber kaum zu Veränderungen des Produktionssystems geführt, das weiterhin durch hohen Energie- und Materialeinsatz und geringe Umwelteffizienz gekennzeichnet ist. Deshalb ist nach dem Bericht bis zum nächsten Earth Day 2020 ein umwelttechnischer Paradigmenwechsel erforderlich, der durch den Einsatz integrierter Umwelttechnik zu erheblich geringerem Energie- und Ressourceneinsatz führt. Nicht mehr Einzeltechniken zur Lösung spezifischer Probleme werden nach diesem Paradigmenwechsel im Vordergrund stehen, sondern integrierte Lösungen, mit denen deutlich höhere Effizienzgrade erreicht werden. Das Ende einer solchen Entwicklung wäre, daß Umwelttechnik als ein separates Stück "Hardware" verschwindet und Umweltaspekte voll in alle Produkte und Produktionsprozesse integriert werden. Ziel, so der Bericht, muß es sein, daß die amerikanische Nation am Earth Day 2020 40 bis 50 % weniger Abfall produziert, 30 bis 40 % weniger Energie benötigt und daß die Materialintensität pro Einheit des Bruttosozialprodukts um 20 - 25 % reduziert wird.

Der Bericht endet mit einem Kapitel "A Call to Action", mit dem die Bundesstaaten und Kommunen, die Industrie, die Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen als Vertreter anderer gesellschaftlicher Interessen sowie die Bürger aufgerufen werden, an der Umsetzung dieser Vision einer zukunftsfähigen Entwicklung mitzuwirken. Die "National Environmental Technology Strategy" versteht sich also weniger als ein konkreter Aktionsplan, sondern als eine Vision, die es zu realisieren gilt unter kollektiven Anstrengungen staatlicher Stellen der verschiedenen Ebenen und der gesellschaftlichen Akteursgruppen. Der Bericht enthält neben einigen bereits laufenden Programmen bezüglich konkreter Maßnahmen im wesentlichen nur Absichtserklärungen bzw. Initiativen - in der Terminologie des Berichts -, die zu ergreifen sind.

Bibliographische Angaben

National Science and Technology Council (NSTC) (ed.): Technology for a Sustainable Future. A Framework for Action. Washington, DC, July 1994.

National Science and Technology Council (NSTC) (ed.): Bridge to a Sustainable Future. National Environmental Technology Strategy. Washington, DC, April 1995.